{"id":86,"date":"2015-01-12T17:22:23","date_gmt":"2015-01-12T15:22:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.christofwackernagel.de\/aktuelles\/?page_id=86"},"modified":"2021-04-10T13:38:30","modified_gmt":"2021-04-10T11:38:30","slug":"aktuelle-texte-2","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.christofwackernagel.de\/aktuelles\/aktuelle-texte-2\/","title":{"rendered":"aktuelle Texte"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\"><\/h1>\n<h1>Jeder Mensch kann sich selbst sch\u00fctzen<\/h1>\n<ol>\n<li>Fakten:<\/li>\n<\/ol>\n<p>\u00bbDie meisten Menschen, die an COVID-19 erkranken, haben leichte bis mittelschwere Symptome und werden wieder gesund, ohne dass sie eine besondere \u00e4rztliche Behandlung ben\u00f6tigen.\u00ab <em>COVID-19 Data Repository by the Center for Systems Science and Engineering (CSSE) at Johns Hopkins University<\/em>.<\/p>\n<p>\u00bbEs liegt auf der Hand, dass ein schwerer Verlauf bei moribunden, multimorbiden oder einfach nur hochbetagten Patienten ein gr\u00f6\u00dferes Sterberisiko birgt.\u00ab <em>\u00a0Deutsches \u00c4rzteblatt. <\/em><\/p>\n<p>\u00bb134 Millionen Corona F\u00e4lle weltweit, 76 Millionen genesen\u00ab (= 58 Millionen ohne Beschwerden),\u00bb 2,9, Millionen Tote. In Deutschland ca. 3 Millionen Infizierte, 78 000 Tote, davon ca. 50% \u00fcber 80 Jahre, ca. 90% \u00fcber 70 Jahren.\u00ab<em>: Webseite der Bundesregierung Deutschlands.<\/em><\/p>\n<p>\u00bbIn wie vielen F\u00e4llen die Infektion urs\u00e4chlich f\u00fcr den Tod war, l\u00e4sst sich daraus aber nicht ablesen.\u00ab<em>\u00a0<\/em> <em>DER SPIEGEL<\/em><\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Vergleiche mit anderen vermeidbaren Krankheiten weltweit pro Jahr:<\/li>\n<\/ol>\n<p>\u2212 7,1 Millionen Tote weltweit wegen Rauchens (120 000 Tote in Deutschland = pro Tag 300)<\/p>\n<p>\u2212 3 Millionen Alkoholtote<\/p>\n<p>\u2212 2,9, Millionen Tote im Zusammenhang mit oder an Covid; keine Angaben \u00fcber ausschliesslich an Covid Gestorbene, nirgends.<\/p>\n<p>\u2212 1,9 Millionen Tote wegen Diarrh\u00f6e, 500.000 Kinder<\/p>\n<p>\u2212 1,5 Millionen Tote wegen TBC<\/p>\n<p>\u2212 1,323 Millionen Tote im Autoverkehr<\/p>\n<p>\u2212 409.000 Tote wegen Malaria<\/p>\n<p>\u2212 200 000 Kinder sterben weltweit an Tetanus<\/p>\n<p>\u2212 140.000 Tote wegen Typhus, vor allem Kinder. <em>(alle Angaben laut WHO)<\/em><\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>Schlussfolgerung:<\/li>\n<\/ol>\n<p>\u2212 dass an mit Covid begr\u00fcndeten Restriktionen weltweit ein Vielfaches an Menschen als an der Krankheit selbst gestorben sind, sterben und sterben werden, Millionen Menschen in Arbeitslosigkeit, Armut, Depressionen und Apathie verfallen, <em>Minister f\u00fcr Entwicklungszusammenarbeit, Gerd M\u00fcller<\/em>;<\/p>\n<p>\u2212 dass die mit den Restriktionen gesch\u00fctzt werden sollenden Alten und Schwachen in Wahrheit die Hauptopfer der Restriktionen sind,<\/p>\n<p>\u2212 dass dieses in den Meinungs-bildenden, unisono die herrschende Politik vertretenden, keine Widerrede duldenden \u2212 also einseitigen \u2212 Medien nicht nur nicht erw\u00e4hnt wird, sondern jeder Widerspruch als einseitig abgewiesen wird,<\/p>\n<p>\u2212 dass die Gefahr einer nicht in (Todes-)Zahlen genannten tempor\u00e4ren Intensivstations-\u00dcberlastung, wie sie in Italien und New York auftrat \u2212 was in 70% der L\u00e4nder dieser Erde Alltag ist, an dem unz\u00e4hlige Menschen sterben, deren Tod in keiner Statistik festgehalten wird \u2212, als Rechtfertigung f\u00fcr die Ausser-Kraft-Setzung verfassungsm\u00e4ssiger Grundrechte dient, w\u00e4hrend gleichzeitig in Deutschland 2020 ein Viertel aller Intensivstationen geschlossen wurde, in \u00d6sterreich ein Drittel, und die \u00dcberlastung nie stattfand, obwohl sie durch Schliessung von 20 Kliniken zus\u00e4tzlich provoziert wurde;<\/p>\n<p>\u2212 und dass, weil \u00bbdie meisten Menschen\u00ab (<em>WHO)<\/em> ein zur Corona Abwehr ausreichendes Immunsystem haben \u2212 in Wirklichkeit also von 1%, ca. 29 000\u00a0 ausschliesslich an Covid gestorbenen Menschen auszugehen ist \u2212, bei den Covid Zahlen Palliativpatienten, Unfalltote, Krebs-, Diabetes- und Herzkranke sowie moribunde, multimorbide Hochbetagte miteinberechnet werden, wodurch 2,9 Millionen erreicht werden \u2212<\/p>\n<p>das alles offenbart das Legitimationsdefizit dieser historisch einmaligen, weltweit gr\u00f6ssten gesellschaftlichen Restriktionen.<\/p>\n<p>\u2212 Dass im Weiteren die herrschenden Macht-Inhaber unter dem Vorwand der genannten falschen Tatsachen aus niedrigen Beweggr\u00fcnden (ausserdemokratischer Machtzuwachs, Billiardengewinne <em>focus money<\/em>) weltweit Tote in der Dimension eines V\u00f6lkermordes in Kauf nehmen,<\/p>\n<p>\u2212 dass eine ganze Generation von Kindern traumatisiert wird (ein Drittel aller Kinder in Bayern hat psychosoziale St\u00f6rungen, 10 000 Kinder riefen bei Notrufadressen wegen Suicidgedanken an<em> Kulturausschuss des bayrischen Landtages<\/em>),<\/p>\n<p>\u2212 dass nach dem r\u00f6mischen Prinzip des \u00bb divide et impera\u00ab (\u00bbteile und herrsche\u00ab) Menschen voneinander isoliert werden, Arbeit, Kultur und Religion nicht mehr gemeinschaftlich ausge\u00fcbt werden d\u00fcrfen, der Menschheit ihr Gesicht genommen wird, nonverbale Kommunikation \u00fcber Mimik ausgeschlossen wird, k\u00f6rperlicher Energieausstausch verboten wird und bereits jetzt insistiert wird, so viel wie m\u00f6glich davon unter Nicht-Pandemie Zust\u00e4nden beizubehalten,<\/p>\n<p>kann nur als Angriff auf \u00fcberlebensnotwendige Bestandteile menschlichen Zusammenlebens verstanden werden.<\/p>\n<p>Dass Linke und Rechte mehrheitlich dasselbe menschenverachtende Weltbild haben, in dem die Bev\u00f6lkerung eine Masse unm\u00fcndiger, von ihnen zu f\u00fchrender Befehlsempf\u00e4nger darstellt, ist seit dem Hitler-Stalin-Pakt bekannt; insofern ist die Liaison zwischen \u00bbAntifa\u00ab und Bundeskanzleramt eine klassische Wiederholung als Farce, die sich in den Protesten dagegen trefflich spiegelt.<\/p>\n<p>Dass Angst, gar Panik, schlechte Ratgeber sind, ist hinl\u00e4nglich bekannt, und wenn mit Gehirnw\u00e4scheartiger Penetranz in allen Medien, an allen \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen und in allen staatlichen Institutionen bis hin zu Schulen und Kinderg\u00e4rten Angst erzeugt wird, erf\u00fcllt dies W\u00f6rterbuch-genau die Definition von Terrorismus: \u00bbErzeugung von Angst und Schrecken\u00ab.<\/p>\n<p>Dass gegen alle anderen vermeidbaren Krankheiten nicht mit derselben Entschiedenheit vorgegangen wird \u2013 eine weltweite Trinkwasserversorgung w\u00e4re weniger aufwendig und k\u00f6nnte Typhus und Diarrh\u00f6e besiegen \u2212, zeigt, dass es bei den mit Corona begr\u00fcndeten Restriktionen nicht um Schutz angeblich unm\u00fcndiger Menschen, sondern um Profit an Macht und Geld geht, die weltweite Errichtung der Diktatur des Profits.<\/p>\n<p>Dass die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit intelligenter bewusster Menschen dies widerspruchslos hinnimmt und mittr\u00e4gt, zeigt, dass sich in Deutschland seit Heinrich Manns Roman \u00bbder Untertan\u00ab nichts ge\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>Christof Wackernagel, April 2021<\/em><\/p>\n<h2><\/h2>\n<h1 style=\"text-align: center;\">\u00a0Schiessen statt reden. Ein Spiegelbild.<\/h1>\n<h2>Zur Mitverantwortung unserer Gesellschaft f\u00fcr die Angriffe auf sie.<\/h2>\n<h3>Vorbemerkung:<\/h3>\n<p>Macht, Verf\u00fchrung und immanente Brutalit\u00e4t von Organisationen wie Al Qaida und seit neuestem dem Islamischen Staat geben den Menschen in den demokratischen Metropolen R\u00e4tsel auf: wieso ist der Djhad hipper als facebook? Politiker, Wissenschaftler und Theologen \u00fcberbieten sich in Erkl\u00e4rungsversuchen und sehen als einzige Antwort weitere Eskalation der Gewalt. Was ist passiert?<\/p>\n<h3>Der ubiquit\u00e4re Widerspruch<\/h3>\n<p>Vor 2000 Jahren kippte ein junger Mann mit M\u00fcnzen \u00fcberh\u00e4ufte Tische in Jerusalem um und beschimpfte deren Besitzer als gottlose Geldh\u00e4ndler. Auch wenn es sich nur um Gewalt gegen Sachen handelte, ist dieser Vorgang vor allem deshalb bemerkenswert, weil die historisch bedeutende Botschaft dieses jungen Mannes war, die Menschen sollten Konflikte durch Dialog l\u00f6sen und nicht durch Gewalt. Aber angesichts der Wechsler und Wucherer platzte selbst dem Sohn Gottes der Kragen.<br \/>\n2000 Jahre sp\u00e4ter z\u00fcndeten einige junge Leute ein Warenhaus in Frankfurt an und klagten deren Betreiber als menschenfeindliche Kapitalisten an. Ebenfalls Gewalt gegen Sachen als Protest gegen einen Krieg, der der Durchsetzung eines globalen Diktats der modernen Wechsler und Wucherer diente. Ebenfalls von Menschen ausge\u00fcbt, die vorher mit friedlichen Mitteln menschenunw\u00fcrdiges Profitdenken angeklagt hatten und von einer friedlichen Welt tr\u00e4umten.<br \/>\n50 Jahre sp\u00e4ter zerst\u00f6rten einige junge M\u00e4nner das World Trade Center und erkl\u00e4rten einem Handelssystem den Krieg, das sie nur noch den \u00bbWesten\u00ab nannten. Von Gewalt gegen Sachen konnte keine Rede mehr sein, sondern nur von ultimativem Massenmord. Aber es waren ebenfalls Menschen, die sich auf eine Frieden und Toleranz predigende Religion beriefen.<\/p>\n<p>Bei allen Unterschieden verbindet sie eines: sie richteten sich gegen ein\u00a0 Handels- und G\u00fcterverteilungssystem, das sie als ungerecht empfanden und das weder im r\u00f6mischen Reich noch in der aufgekl\u00e4rten Weltgesellschaft des dritten Jahrtausends auch nur ein Jota in Frage gestellt wird.<\/p>\n<p>Jesus Christus wurde bekanntlich gekreuzigt, die RAF verschwand im Kugelhagel oder im Gef\u00e4ngnis und dem Djhad wurde der totale Krieg erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Demokratie, also das Forum, verschiedene oder gegens\u00e4tzliche Interessen friedlich zu regeln, und den Anspruch, dieses zu tun, gab es schon lange vor Christus, der ihre Grundgedanken einklagte. Die Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland war zwar etwas \u00fcber zwanzig Jahre nach Diktaturende nur schwach entwickelt, nutzte aber die Chance ihrer Bew\u00e4hrung angesichts einer verzweifelten Infragestellung nicht, sondern setzte den Rechtsstaat ausser Kraft. Heute ist Demokratie weltweit das Mass aller Dinge &#8211; und sie hat nur eine Antwort auf gewaltsame Infragestellung: noch mehr Gewalt.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnen sich beide Seiten auf die Gegenseite berufen, wenn sie ihre eigenen hoch offi-ziell erkl\u00e4rten Prinzipien und Ziele ins Gegenteil verkehren, ganz gleich, ob sie religi\u00f6ser, politischer oder weltanschaulicher Natur sind.<\/p>\n<p>Wie man sich selbst diesen Widerspruch zurechtbiegt und verdr\u00e4ngt, kenne ich aus eige-ner Erfahrung. Antifaschistisch erzogen, Kriegsdienstverweigerer und als Kind der Studentenbewegung der 60er Jahre ein gl\u00fchender Verfechter einer weltweiten gerechten Verteilung der G\u00fcter der Menschheit, war es f\u00fcr mich undenkbar, eine Waffe in die Hand zu nehmen. Dass ich schliesslich trotzdem tat, hat zwei entscheidende Rechtfertigungsbegr\u00fcndungen:<\/p>\n<p>1. \u00bbEs bleibt mir nichts anderes \u00fcbrig, weil die Machtinhaber die ungerechten Verh\u00e4ltnis-se mit Gewalt aufrechterhalten und selbst friedliche Proteste mit brutaler Gewalt niedergemacht werden. Dass die staatliche Gewalt sogar nicht davor zur\u00fcckschreckt, einen friedlich demonstrierenden Studenten zu ermorden, zeigt f\u00fcr wie gef\u00e4hrlich sie dessen Gedanken und Ziele h\u00e4lt. Daf\u00fcr kann es nur einen Grund geben: dass diese Gedanken und Ziele richtig sind (quod erat demonstrandum).\u00ab<br \/>\n2. \u00bbWenn ich gegen meine \u00dcberzeugung eine Waffe in der Hand nehme, tue ich das, um diese \u00dcberzeugung endlich und endg\u00fcltig irreversible Realit\u00e4t werden zu lassen: dass n\u00e4mlich nie wieder ein Mensch eine Waffe in die Hand nehmen muss oder will. Wir f\u00fchren den letzten Krieg, mit dem eine Welt ohne Krieg herbeigef\u00fchrt wird: wir \u00fcben keine Gewalt, sondern Gegengewalt aus. Deshalb bin ich gezwungen, eine Waffe in die Hand zu nehmen und sie auch mit allen t\u00f6dlichen Konsequenzen f\u00fcr andere und mich zu ben\u00fctzen: so habe ich dazu nicht nur das Recht, sondern &#8211; um meiner \u00dcber-zeugung willen! &#8211; sogar die Pflicht.\u00ab<\/p>\n<p>Daran f\u00fchle ich mich erinnert, wenn ich heute das Fotos einer jungen Frau sehe, die, gl\u00fcckseligen Blickes, ihre Heckler und Koch Maschinenpistole in den Armen h\u00e4lt wie ein Baby, nachdem sie von Berlin\u00a0 nach Bagdad aufgebrochen ist.<\/p>\n<p>Daran\u00a0 f\u00fchle ich mich auch erinnert, wenn ich 100 Jahre nach Ausbruch des ersten Welt-krieges im Anti-Kriegsdrama \u00bbDie letzten Tage der Menschheit\u00ab von Karl Kraus das wahre Zitat eines Feldgeistlichen zitiert finde:<br \/>\n<em>\u00bbUnd man muss hier klar und bestimmt eingestehen: Jesus hat das Gebot: \u203aLiebet Eure Feinde\u2039 nur f\u00fcr den Verkehr zwischen den einzelnen Menschen gegeben, nicht aber f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis der V\u00f6lker zueinander. &#8230; Es gilt nicht f\u00fcr die Stunde des Gefechtes. &#8230; Das T\u00f6ten ist in diesem Falle keine S\u00fcnde, son-dern Dienst am Vaterlande, eine christliche Pflicht, ja, ein Gottesdienst!\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Daran f\u00fchle ich mich auch erinnert, wenn der ehemalige Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, in der FAZ am 6.10.14 unter dem Titel \u00bbDu sollst nicht t\u00f6ten &#8211; und nicht t\u00f6ten lassen\u00ab schreibt:<br \/>\n<em>\u00bbUnsere Verantwortung f\u00fcr den Frieden kann im \u00e4ussersten Notfall den Einsatz von Waffengewalt einschliessen. &#8230; Denn ein Ende der Gewalt, bevor sie weitere Opfer fordert, ist der einzige Sinn einer solchen Notmassnahme\u00ab<\/em>.<\/p>\n<p>Dabei bleibt offen, wieviel Opfer diese Notmassnahme fordert: oder sind tote Terroristen keine Opfer?<\/p>\n<p>Und es stellt sich vor allem die Frage, warum das erweiterte 5. Gebot \u00bbDu sollst nicht t\u00f6ten lassen\u00ab nicht in der Konsequenz bedeutet:<br \/>\nkeinerlei Waffen mehr in andere H\u00e4nde zu geben, also den R\u00fcstungsexport einzustellen?<\/p>\n<p>Statt dessen fordern andere hohe deutsche Geistliche, die den Irak besucht haben, sogar R\u00fcstungslieferungen an die &#8211; vor kurzem noch als Terroristen bezeichneten &#8211; Kurden.<\/p>\n<p>Und drehen damit die Gewaltspirale h\u00f6her, die Gewaltspirale, die von Anfang aller Geschichte an auf der gleichen Begr\u00fcndung beruht, woran Wolfgang Huber in seinem Artikel erinnert:<br \/>\n<em>\u00bbSo fordert Mose die Leviten auf, alle zu t\u00f6ten, die sich dem Bekenntnis zu dem einen Gott verweigern. Sie sind folgsam, das kostet dreitausend Menschen das Leben\u00ab<\/em>.<br \/>\nObwohl Gott Mose die Tafeln mit dem 5. Gebot gab.<br \/>\nMit der gleichen Begr\u00fcndung mordeten die Christen halb S\u00fcdamerika hin, obwohl ihr Gr\u00fcnder das Gegenteil gefordert hatte und heute die Djhadisten, obwohl im Koran das Gegenteil steht.<\/p>\n<p>Die junge Berlinerin mit der Heckler und Koch Maschinenpistole k\u00f6nnen derartige Erkl\u00e4rungen nicht nur nicht davon abhalten, nach Bagdad aufzubrechen, sondern sie k\u00f6nnen sie nur darin best\u00e4tigen, m\u00f6glichst m\u00f6glichst konsequent den wirklichen\u00a0 Frieden, wie sie ihn versteht, herbeizuf\u00fchren. Entweder es gibt das 5. Gebot, das ja auch f\u00fcr den Islam gilt, oder es gibt Ausnahmen. Und wenn es Ausnahmen gibt:<br \/>\nwer hat dann das Recht und die Legitimation dazu, diese Ausnahmen zu definieren?<\/p>\n<p>Denn was f\u00fcr eine Alternative bietet ihr die getaktete burnout Gesellschaft, die sich f\u00fcr das non plus ultra der Geschichte h\u00e4lt und dabei jeden jungen Menschen, der in diese Welt hineinw\u00e4chst mit einer nie dagewesenen Ausweglosigkeit konfrontiert: friss Vogel oder stirb, mach mit, h\u00e4ng dich rein, gib alles und du bekommst Audi oder BMW &#8211; wenn\u00a0 du versagst, musst du dich mit Aldi und Lidl zufriedengeben. Sonst gibt es nichts und jeder, der sich nicht dazu bekennt, f\u00e4llt raus oder wenn er dagegen aufmuckt, werden Notmassnahmen ergriffen.<\/p>\n<p>Ernsthaft zur Disposition gestellt wird diese Gesellschaft nicht.<\/p>\n<p>Ich verstehe die junge Berlinerin auf dem Weg nach Bagdad. Ich denke genauso wie sie, habe es aber zum Gl\u00fcck bereits hinter mir, zu versuchen, mit Gewalt eine \u00c4nderung herbeizuf\u00fchren. Durch diese Erfahrung weiss ich heute allerdings eines:<br \/>\n\u00bbes geht nicht mit Gewalt\u00ab heisst: \u00bbes geht nicht mit Gewalt\u00ab.<br \/>\nAuch nicht mit \u00f6konomischer, psychischer oder struktureller, staatlich oder religi\u00f6s begr\u00fcndeter. Nicht einmal mit \u00bbfriedlicher Gewalt\u00ab &#8211; sowieso eine contradictio in adjecto.<\/p>\n<p>Als Pal\u00e4stinenser 1972 bei den olympischen Spielen in M\u00fcnchen israelische Sportler zu Geiseln nahmen, bot sich der damalige Innenminister als Austauschgeisel an. Selbst wenn man unterstellt, dass er davon ausgehen konnte, dass die Pal\u00e4stinenser das Angebot nicht annehmen w\u00fcrden, zeigt das auch nur als Geste die einzige Perspektive.<\/p>\n<p>Warum argumentiert Bischof Huber heute noch wie der Feldgeistliche anno 1914und sagt: <em>\u00bbf\u00fcr sich selbst kann man auf jeglichen Schutz vor Gewalt verzichten, man kann jedoch nicht mit einer solchen Begr\u00fcndung\u00ab, n\u00e4mlich die von Jesus geforderte \u00bbpers\u00f6nliche Bereitschaft, Leiden auf sich zu nehmen &#8230; anderen jeglichen Schutz vorenthalten\u00ab.<\/em><\/p>\n<p>Warum zeigt er dann nicht diese pers\u00f6nliche Bereitschaft, f\u00e4hrt in den Irak und spricht mit dem obersten IS Kalifen?<\/p>\n<p>Der w\u00fcrde sich das nicht entgehen lassen. Und Bischof Huber nicht umbringen. Und die Berlinerin auf dem Weg nach Bagdad w\u00fcrde ihre Entscheidung zumindest solange vertagen, bis ein Ergebnis eines solchen Gespr\u00e4ches deutlich w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Immerhin hat der Papst seine Bereitschaft zu erkennen gegeben, mit seinem Kollegen an der Spitze des IS ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Als die Gruppe \u00bbAnzardin\u00ab (in etwa: die Verwirklicher des wahren Glaubens) den Norden Malis \u00fcberfiel, wollten die friedlichen Muslimf\u00fchrer unbedingt mit ihnen dar\u00fcber diskutieren, was denn wirklich der \u00bbwahre Glaube\u00ab sei, Gott sei Gott und gerade darin, dass es nur einen gebe, seien sich doch alle einig.<br \/>\nDazu kam es nicht und als die vergewaltigenden, Zungen, H\u00e4nde und F\u00fcsse abhackenden Truppen immer n\u00e4her auf Malis Hauptstadt Bamako zukamen, in der ich mit meinem eben geborenen Sohn lebte, sah ich mich gezwungen, im deutschen Fernsehen um Hilfe von der Bundeswehr zu bitten:<\/p>\n<p>Jedes Wort, das nicht gesprochen wird, erzeugt 1000 t\u00f6dliche Kugeln.<\/p>\n<p>Warum also haben nicht Obama, Putin, Merkel nicht l\u00e4ngst ein Gipfeltreffen angeboten anstatt \u00fcber immer gr\u00f6ssere Vergeltungsschl\u00e4ge zu reden?<\/p>\n<h3>Die unheilige Allianz<\/h3>\n<p>Auf dem H\u00f6hepunkt der europaweiten Fahndung nach der RAF im Jahre 1977 befand ich mich eines Tages mit einem Kollegen in einer europ\u00e4ischen Hauptstadt auf dem Weg zum Bahnhof, um deutsche Zeitungen zu kaufen. Verst\u00e4ndnislos den Kopf sch\u00fcttelnd sagte er: <em>\u00bbDas BKA ist wirklich d\u00fcmmer als die Polizei erlaubt. Die Herrschaften wissen doch, dass wir ohne Zeitungen nicht leben k\u00f6nnen! Sie m\u00fcssten einfach nur die paar Stellen, an denen es deutsche Zeitungen gibt, beobachten und k\u00f6nnten uns alle problemlos abgreifen.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich h\u00e4tte eine Gruppe von zwanzig Menschen niemals eine Republik von sechzig Millionen Menschen derart in Aufruhr versetzen k\u00f6nnen, wenn nicht die Medien dazu ihren ausschlaggebenden Beitrag geleistet h\u00e4tten: \u00bbein Ereignis ist nur dann ein Ereignis, wenn dar\u00fcber berichtet wird\u00ab &#8211; das ist heute ein politisches wie gesellschaftliches, kulturelles Grundgesetz.<br \/>\nW\u00e4re \u00fcber die Ermordung Hanns Martin Schleyers so n\u00fcchtern wie von einem Naturereignis betroffen berichtet worden wie \u00fcber die Ermordung von dreizehn Besuchern des Oktoberfestes oder von zehn ausl\u00e4ndischen Mitb\u00fcrgern durch die NSU &#8211; das Kalk\u00fcl der RAF w\u00e4re nicht aufgegangen.<\/p>\n<p>Erst die mediale Hysterie hat aus der RAF die RAF gemacht.<\/p>\n<p>Man sollte diese Tatsache ganz unabh\u00e4ngig davon sehen, welche vermeintlichen oder echten Interesse hinter der einen oder anderen Seite standen.<\/p>\n<p>Ein zentrales Prinzip von kleinen Gruppen, die mit gewaltsamen Aktionen in den politischen Prozess eingreifen wollen ist die \u00bbSelbstvermittlung der Aktion\u00ab. Ausgehend von der Tatsache, dass der Medienaufschrei die Ziele und Inhalte der Aktion umkehren oder verschweigen wird, ist es oberstes Gebot, dass das Objekt der Aktion selbst ihren Inhalt offen legt. Man kann sogar davon ausgehen, dass die Dimension der medialen Verleugung der Inhalte diese umgekehrt proportional deutlich macht.<br \/>\nSo las ich vor kurzem \u00fcber die Geschichte der\u00a0 RAF in einer Schularbeit der 17-j\u00e4hrigen Tochter einer Freundin, dass die Mitglieder der RAF \u00bbden Kapitalismus, den Vietnamkrieg und die Zust\u00e4nde in der 3ten Welt verabscheuten\u00ab und deshalb \u00bbBombenanschl\u00e4ge auf US- und staatliche Einrichtungen ver\u00fcbten\u00ab.<br \/>\nImmer wieder stosse ich auf \u00bbBewunderung\u00ab von jungen Menschen, die in Bezug auf die Ermordung Hanns Martin Schleyers sagen: \u00bbIhr habt wenigstens noch was gegen die alten Nazis getan\u00ab und h\u00f6re staunend Punk-Songtexte wie: \u00bbWo ist die RAF wenn man sie braucht?\u00ab oder \u00bbBuback, Ponto, Schleyer, die Welt wird immer freier\u00ab.<br \/>\nAuch wenn das Ziel der RAF einer vom Profitdiktat befreiten friedlichen Menschheit nicht erreicht wurde &#8211; dank der Medien sind ihre Inhalte noch bei unseren Enkeln pr\u00e4sent.<\/p>\n<p>Betrachtet man unter dem Gesichtspunkt der \u00bbSelbstvermittlung der Aktion\u00ab den inzwischen ein Jahrzehnt alten Anschlag auf das World Trade ergibt sich folgendes Bild:<\/p>\n<p>Wenn das Welt Handels Zentrum zerst\u00f6rt wird, wird der Welthandel als solcher damit angeklagt, seine Struktur, seine Ungerechtigkeit, seine indirekten weltweit massenhaft t\u00f6dlichen Folgen, sein sich als Naturgesetz darstellendes Diktat.<br \/>\nGanz gleich, ob man es \u00bbImperialismus\u00ab, nennt, \u00bbKapitalismus\u00ab, \u00bbProfitdiktat\u00ab oder \u00bbHabgier der Reichen, die damit immer reicher werden, die Armen aber immer \u00e4rmer\u00ab, ganz gleich, ob man diese Meinung teilt oder nicht, eines kann keiner leugnen:<br \/>\ndass Milliarden von Menschen auf dieser Welt, n\u00e4mlich alle, die von diesem Welthandel betroffen sind und am Existenzminumum dahinsiechen, deren Kinder an verseuchtem Wasser und Krankheiten sterben, weil die Eltern die notwendigen Medikamente nicht bezahlen k\u00f6nnen, wie ich es jahrelang in Mali miterlebte &#8211;<br \/>\nsie alle teilen diese Meinung.<br \/>\nSie alle wurden nach dem Anschlag auf allen Kan\u00e4len der ganzen Welt mit der Emp\u00f6rung dar\u00fcber \u00bbbombardiert\u00ab und selbst wenn sie die Emp\u00f6rung teilten, die Gewalt daran verabscheuten, bleibt in ihren K\u00f6pfen, bewusst oder unbewusst die Frage, wieso die Emp\u00f6rung \u00fcber die Ermordung der 4000 Welth\u00e4ndler nicht einhergeht mit einer durch dieses Zeichen aufbrechenden Emp\u00f6rung \u00fcber 4 000 000 Opfer des Welthandels. Bleibt scheunentorweit offen die Frage, wieso anl\u00e4sslich einer derart grauenhaften Aktion nicht deren\u00a0 Motive wenigstens nachvollzogen und vielleicht auch dar\u00fcber nachgedacht wird, ob vielleicht etwas an den Ursachen ge\u00e4ndert werden k\u00f6nnte oder gar sollte.<\/p>\n<p>Hier noch einmal der wahre Zitate \u00dcberbringer Karl Kraus in den \u00bbletzten Tagen der Menschheit\u00ab, der den deutschen Gesandten einer internationalen Journalistenkonferenz im Jahre 1917 sprechen l\u00e4sst:<\/p>\n<p><em>\u00bbDer Krieg hat offenbart, welche Macht der moderne Zeitungsschreiber in der Hand h\u00e4lt. Man denke sich die Zeitung weg in diesem internationalen Aufruhr der Gem\u00fcter; w\u00e4re ohne sie der Krieg \u00fcberhaupt m\u00f6glich geworden, m\u00f6glich auch in seiner Durchf\u00fchrung?<\/em><br \/>\n<em> Es ist eine Kunst, eine hohe Kunst, die wir aus\u00fcben, und das Instrument, auf dem wir spielen, ist das edelste, das sich denken l\u00e4sst, es ist die Seele der V\u00f6lker.\u00ab<\/em><\/p>\n<h3>es: wie das Unbewusste das Bewusstsein manipuliert<\/h3>\n<h4>Glaube<\/h4>\n<p>In meiner Zeit als Sympathisant der RAF sprach ich einmal in Paris mit einer wunder-sch\u00f6nen Intellektuellen und schw\u00e4rmte wortreich und wortgewandt vor ihr vom Traum der befreiten Gesellschaft, dem Unterschied zwischen Freiheit und Befreiung und der Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes zum Zwecke der Herbeif\u00fchrung derselben. Nach anf\u00e4nglich durchaus vielversprechenden Blicken h\u00f6rte sie zunehmen unkonzen-trierter zu, schlug schliesslich die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopf zusammen und rief in meinen Redefluss hinein: \u00bbDu bist ja schlimmer als jeder Missionar!\u00ab Tief getroffen gab ich weitere Werbeversuche auf und archivierte die Erfahrung nach dem Motto: Schnaps ist Schnaps und Politik ist Politik. Mehr als ein Jahrzehnt sp\u00e4ter, nach RAF Mitgliedschaft, Gef\u00e4ngnis, dem gescheiterten Versuch, den bewaffneten Kampf in der BRD mit Marxens \u00bbKapital\u00ab, Band I zu erkl\u00e4ren und wieder als TV-Serienkom\u00f6diant t\u00e4tig, kam mir im Lauf der unz\u00e4hligen Verarbeitungs- und Vermittlungsdiskussionen wie ein Axthieb, der den Baum meiner festen \u00dcberzeugung niederschlug, die Erkenntnis:<br \/>\n\u203aJa, es war Glaube\u2039.<br \/>\nDas, was ich f\u00fcr eine marxistisch-leninistisch fundierte historische Gesetzm\u00e4ssigkeit gehalten hatte &#8211; war in Wahrheit Glaube. Ganz normaler, blinder Glaube, der mir den Blick auf den ersten logischen Widerspruch verstellte: wenn die Befreiung der Menschheit eh eine historische Gesetzm\u00e4ssigkeit war, wieso musste ich dann mit Gewalt nachhelfen?<\/p>\n<p>Die Soldatinnen und Soldaten des Islamischen Staates setzen ihre Sache schlauer um.<\/p>\n<p>Wo wir einem Glauben anhingen, den wir f\u00fcr Politik hielten, die erkl\u00e4rt werden musste, beginnen sie gleich mit dem Glauben und k\u00f6nnen somit Politik machen, die sie nicht er-kl\u00e4ren m\u00fcssen.<br \/>\nSie bauen einen Staat auf mit Administration, Gesundheits- und Erziehungsinstitutionen, in strenger, aber klarer Ordnung. Sie kritisieren nicht nur, sie schaffen die (scheinbare) Alternative. Alles ist geregelt, da gibt es nichts zu diskutieren.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend meines zehn Jahre dauernden Lebens in dem von einer 70%igen islamischen Mehrheit bewohnten Land Mali f\u00fchrte ich viele Gespr\u00e4che mit Musliminnen und Muslimen, die ich als \u00fcberaus tolerant und offen erfuhr. In den ganzen zehn Jahren wurde ich nur drei oder vier Mal aufgefordert, doch zum Islam \u00fcberzutreten. So akzeptierten sie zum Beispiel meine an sich nur gymnastische Yoga-\u00dcbung \u00bbMorgengruss\u00ab als Gebet, was ausreichte um als Mitglied ihrer Gesellschaft akzeptiert zu werden.<br \/>\nAber wenn ich sagte: \u00bbIch rede jeden Tag mit Allah\u00ab, erntete ich entsetzte Reaktionen. \u00bbMit Allah kann man nicht reden\u00ab, er hat mit dem Koran gesagt, was gesagt werden musste und hat die gesamte folgende Geschichte der Menschheit bis ins letzte Detail vorbestimmt &#8211; seitdem schl\u00e4ft er, deshalb kann und braucht man nicht mit ihm zu reden.<br \/>\nAuch wenn ich sagte: \u00bbwir sind alle Kinder Allahs\u00ab erntete ich entsetzten Widerspruch: Nur Muslime sind Kinder Allahs.<\/p>\n<p>Aber genauso entsetzt reagierten sie, als die Gruppe Anzardin schwerbewaffnet den Norden Malis \u00fcberfiel, Andersgl\u00e4ubige t\u00f6tete und sich dabei auf den Propheten Mohammed berief, der vorgelebt habe, was unter dem Satz, dass nur Muslime Kinder Allahs seien, zu verstehen sei: alle umzubringen, die keine Muslime sind (wie einst Mose sagte). W\u00fctend und besch\u00e4mt distanzierten sie sich von diesen Verr\u00e4tern des Islam.<\/p>\n<h4>Verf\u00fchrung<\/h4>\n<h5>Individuell:<\/h5>\n<p>Schon am ersten Abend in der Illegalit\u00e4t irritierte mich das Verhalten eines meiner neuen Mitstreiter. W\u00e4hrend wir zusammensassen und redeten und dabei Kleinigkeiten zu uns nahmen, sass er l\u00e4ssig an ein Sitzkissen gelehnt auf dem Boden, warf sich mit der einen Hand N\u00fcsse in den Mund, die er gekonnt auffing, und liess in\u00a0 der anderen seine Pistole um den Zeigefinger kreisen &#8211; so, wie ich es aus Western Filmen kannte. So etwas h\u00e4tte ich bei pubertierenden Jugendlichen erwartet, aber nicht bei der Rote Armee Fraktion. Es dauerte lange, bis ich Neuling wagte, das anzusprechen: ob das nicht gef\u00e4hrlich sei, fragte ich. \u00bbIst doch nicht geladen\u00ab, kam es milden Spottes schnoddrig zur\u00fcck. Einer der anwesenden Frauen gefiel das ebenfalls nicht und es kam zum Konflikt \u00fcber die Frage, ob ein derartiger Umgang mit Waffen einer revolution\u00e4ren Organisation angemessen sei oder nicht, was verneint wurde.<\/p>\n<p>Kurz darauf bekam ich Schiessunterricht, in einem Fussg\u00e4ngertunnel einer Autobahnunterf\u00fchrung, wo weit und breit kein Mensch zu erwarten war. Nicht nur der Hall faszinierte &#8211; ich musste mir schnell eingestehen, dass dieses Gef\u00fchl unangreifbar zu sein &#8211; beziehungsweise: wer es wagen sollte, mich anzugreifen, sein blaues Wunder erleben w\u00fcrde &#8211; phantastisch war. \u00bbGeil\u00ab w\u00fcrden sie jungen Leute heute sagen.<br \/>\nKurz darauf bekam ich eine kleine tschechische Maschinenpistole, sehr handlich und ge-rade nur so gross, dass ich sie locker in den Hosenbund stecken konnte und sie trotzdem vom Jackett \u00fcberdeckt wurde.<br \/>\nSo ging es sich wie auf einem sanft gefederten roten Teppich &#8211; verbunden mit dem Bewusstsein f\u00fcr eine gute Sache zu k\u00e4mpfen, siehe oben, konnte das geradezu high machen.<\/p>\n<p>So schnell kann sich etwas unbemerkt in sein Gegenteil verwandeln.<\/p>\n<p>Und muss es: denn die Waffe zu nehmen, aber die Skrupel zu behalten, w\u00e4re selbstm\u00f6rderisch. Wer a sagt, muss auch b sagen.\u00a0 Man kann gegen Waffen sein, so viel man will, in dem Moment, in dem man sie in der Hand hat, \u00fcben sie selbst Macht aus, magische Macht, und es ist nur sehr, sehr m\u00fchsam m\u00f6glich, sich dem zu erwehren und wenn man sich das nicht klarmacht, nicht zu verfallen.<\/p>\n<h5>Verf\u00fchrung kollektiv:<\/h5>\n<p>Nachdem ich zehn Jahre lang ausserhalb des europ\u00e4isch-amerikanischen Kulturraumes gelebt hatte, bekam ich einen Schock, als ich wieder mit der hierzulande Standard gewordenen Kultur- und vor allem Filmindustrie konfrontiert wurde.<br \/>\nVon Tarantino-Filmen bis \u00bbTatort\u00ab: eine atemberaubende Eskalation der Gewaltdarstellung. 1:1 mit sch\u00f6nen Bildern \u00e4sthetisch f\u00fcr den Konsum aufbereitet und in Zeitlupe bildungsb\u00fcrgerlich aufgemotzt. Gewaltdarstellung,\u00a0 musste ich fassungslos feststellen, ist salonf\u00e4hig geworden. Bei gleichzeitiger Perfektionierung einerseits von Anti-Gewalt Bekundungen von Politik und Medien,\u00a0 andererseits immer brutalerer Kriegf\u00fchrungen in aller Welt und einem boomenden R\u00fcstungsexport.<\/p>\n<p>Mit wem auch immer ich dar\u00fcber sprach: ich stiess nur auf achselzuckende Resignation. \u00bbKann man nichts daran \u00e4ndern\u00ab, \u00bbmerkt doch eh keiner mehr\u00ab oder die beliebteste Ausrede der TV-Redakteure: \u00bbdie Leute wollen das so\u00ab. Permanente Gewaltdarstellung erzeugt Abstumpfung.<\/p>\n<p>Der Mensch ist aber ein nach\u00e4ffendes Wesen.<\/p>\n<p>Jedes Kind lernt durch Nachahmung. Was sollen von Stars vorgelegte Modetrends ande-res bewirken. Die gesamte Werbung setzt darauf. Karaoke, Kopien von Sex Pistols \u00fcber Abba bis zu den Beatles.<\/p>\n<p>Warum ausgerechnet Gewaltdarstellung ausgerechnet in dem heutzutage die Kultur dominierenden Medium Film nicht zur Nachahmung f\u00fchren soll, konnte mir bisher niemand erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Und wenn dann angesichts von Amok laufenden jungen Menschen erst in den USA und inzwischen auch bei uns immer noch nicht dar\u00fcber nachgedacht wird, ob das vielleicht daran liegen k\u00f6nnte, dass dieses Verhalten diesen jungen Menschen tagt\u00e4glich auf allen Kan\u00e4len vorgemacht wird, geschweige denn dar\u00fcber, dass das ein Aufschrei gegen die absolute, v\u00f6llige, totale Perspektivlosigkeit unserer Gesellschaft sein k\u00f6nnte, dann kann ich auch niemandem mehr etwas erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Ich kann allerdings immer besser nachvollziehen, warum die junge Berlinerin sich auf den Weg nach Bagdad zum IS macht &#8211; und zwar in jeder Hinsicht:<br \/>\nsie kann sein wie all diesen jungen sch\u00f6nen Frauen aus inzwischen jedem zweiten US-Blockbuster, die mit einer Maschinenpistole in der Hand vor einem rauchenden Tr\u00fcmmerfeld stehen und entschlossen seligen Blickes die Welt retten oder die tollen Kommissarinnen, ohne die kein deutscher TV Krimi mehr aus kommt, die mit gez\u00fccktem Baller-mann all das B\u00f6se in dieser Welt bek\u00e4mpfen;<br \/>\nsie kann selbst und h\u00f6chstpers\u00f6nlich im Andy Warholschen Sinne ein 15-Minuten Star werden;<br \/>\nund sie kann damit, zu allem \u00dcberfluss, wohlig eingebunden in eine entschlossene und solidarische, klar und fraglos strukturierte Gemeinschaft, ihrem Leben doch noch einen Sinn geben. Daf\u00fcr kann sie auch in Kauf nehmen, dass dieses Leben nicht mehr lange dauert. Und das gilt genauso f\u00fcr ihre m\u00e4nnlichen Kollegen.<\/p>\n<h5>Die gesellschaftliche Verdr\u00e4ngung<\/h5>\n<p>Wie alle meine Generationgenossen erfuhr ich in der Schule nichts \u00fcber Krieg und Faschismus. Dass unser Griechischlehrer zitterte, lag nicht an Parkinson, sondern weil er einen Tatterich hatte: er sei unter einem Panzer gelegen, wurde unter uns Sch\u00fclern hinter vorgehaltener Hand weitergeben, wie alles, was die Nazizeit betraf. Die Befreiung kam durch die Studenten Ende der 60er Jahre, die Aufkl\u00e4rung, Verarbeitung und Schuldbekenntnisse einforderten &#8211; und daf\u00fcr von der Polizei mit Wasserwerfern zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, verpr\u00fcgelt oder sogar umgebracht wurden.<\/p>\n<p>Man muss kein Freudianer sein, um davon ausgehen zu k\u00f6nnen, dass Verdr\u00e4ngung Wiederholung erzwingt. So war es geradezu folgerichtig, dass mit dem Scheitern der Studentenbewegung bewaffnete Gruppen entstanden und die fehlende Verarbeitung einklagten, aber erst recht gewaltsam zur\u00fcckgeschlagen wurden, bis sie am Ende 1977 das lebende Symbol der \u00bbKontinuit\u00e4t des Faschismus\u00ab ermordeten und dazu sagten: \u00bbRAF hat die Entnazifizierung von Hanns Martin Schleyer nachgeholt\u00ab.<\/p>\n<p>\u00dcber diese Inhalte zu reden wurde als \u00bbRechtfertigung\u00ab gebrandmarkt, die tief in die Zeitgeschichte reichenden Zusammenh\u00e4nge weiter verdr\u00e4ngt, und so war es ebenso geradezu folgerichtig, dass mit dem Abklingen der RAF manche sogenannte \u00bbAnti-Imperialisten\u00ab \u00fcbergangslos zu Djhadisten wurden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich erschwert und behindert das Mittel Gewalt die Bereitschaft, \u00fcber die Motive der Gewaltanwendung nachzudenken.<br \/>\nUmso mehr erforderte es grosse und grossartige Ein- und Weitsicht der Angegriffenen, zu beweisen, dass die Vorw\u00fcrfe gegen sie eben nicht stimmten, indem sie auf sie eingingen und gegebenenfalls etwas an den kritisierten Verh\u00e4ltnissen \u00e4nderten.<\/p>\n<p>Soweit es sich um vergangenes Fehlverhalten handelte, kann man sich zur Not noch entschuldigen, wie es Bundespr\u00e4sident Weizs\u00e4cker getan hatte.<\/p>\n<p>Soweit es sich allerdings um ein Welthandelssystem handelt, dessen Entstehung bis in die Anf\u00e4nge der Zivilisation zur\u00fcck reicht und das als \u00bbder Natur des Menschen\u00ab entsprechend gehandelt wird, also geradezu einem Naturgesetz gleichgestellt wird und damit genauso undiskutierbar daherkommt wie der Glaube an Allah:<br \/>\nbekommen wir alle zusammen ein Problem.<br \/>\nDann steht sich schwarz und weiss spiegelbildlich gegen\u00fcber. Jede Seite ist weiss und h\u00e4lt die andere f\u00fcr schwarz. Dann kann es nur eine nicht enden wollende Spirale der Eskalation der Gewalt geben: Dann beginnt Gewalt in Brutalit\u00e4t \u00fcber zu gehen.<\/p>\n<p>Solange Gewalt noch ein Mittel ist, auf Inhalte aufmerksam zu machen, also &#8211; so weit man noch davon\u00a0 reden kann &#8211; rational bleibt, versucht sie, so wenig Gewalt wie m\u00f6glich anzuwenden. So war es die Grundidee von Guerillataktik, wie sie aus S\u00fcdamerika in Europa \u00fcbernommen wurde, mit dem geringstm\u00f6glichen Schaden gr\u00f6sstm\u00f6gliche Wirkung zu erzielen. Die RAF schoss Schleyers Fahrer in den Unterschenkel &#8211; dass er trotzdem starb, zeigte das Dilemma des Mittels und wurde von der Gruppe \u00f6ffentlich bedauert. Der Richter in meinen Prozess erwiderte auf meine Beteuerung, dass ich den Polizisten, auf den ich geschossen hatte, nicht hatte t\u00f6ten wollen: \u00bbAber Sie haben das Risiko in Kauf genommen\u00ab. Das Gl\u00fcck, dass mein Gegner nur leicht verletzt wurde, erleichterte es mir sp\u00e4ter, die Unhaltbarkeit meines Handelns einzusehen. Das hatte die Voraussetzung, dar\u00fcber zu reden und nachzudenken.<\/p>\n<p>Wenn aber Gewalt nur noch dazu dient, den Gegner zu vernichten oder gar zu \u00bbbestrafen\u00ab, wenn Gewalt nur noch gegen Gewalt steht, kann sie nur immer mehr eskalieren und schl\u00e4gt aufgrund ihrer v\u00f6lligen Aussichtslosigkeit und damit offen werdenden Sinnlosigkeit in Brutalit\u00e4t um. Letztlich dr\u00fcckt das aus, dass die, die qu\u00e4len und foltern gar nicht an ihr Ziel glauben. Das gilt freilich f\u00fcr CIA-Folterer genauso wie f\u00fcr IS-Vergewaltiger.<\/p>\n<h3>Nachbemerkung:<\/h3>\n<p>Der legend\u00e4re BKA-Chef Horst Herold fasste die Quintessenz seiner Erfahrungen mit den Worten zusammen: \u00bbwenn man den Terrorismus bek\u00e4mpfen will, muss man seine Ursache bek\u00e4mpfen\u00ab. Selbst wenn er damit nicht die Kritik\u00a0 an der damals verfassungs-rechtlich verbotenen deutschen Beteiligung am Vietnamkrieg im Besonderen oder am ungerechten Welthandelssystem im Allgemeinen meinte, w\u00e4re das die Konsequenz gewesen. Selbst er wurde nicht geh\u00f6rt und endete in derselben Isolation wie die Gefangenen aus der\u00a0 RAF.<\/p>\n<p>Aber es geht auch anders.<\/p>\n<p>Als in Holland im Jahr 1977 sozial unterprivilegierte Einwanderer der ehemaligen holl\u00e4ndischen Kolonie Suriname Intercity Z\u00fcge der holl\u00e4ndischen stattlichen Eisenbahn st\u00fcrmten, hunderte von Menschen als Geiseln nahmen, sehr viele t\u00f6teten und tagelanger Notstand ausbrach, reagierten die holl\u00e4ndischen Verantwortlichen anders als im Nachbarland Deutschland. Nachdem sie die Geiselnahme beendet hatten, behandelten sie die Geiselnehmer nicht als \u00bbnormale Verbrecher\u00ab und sprachen ihnen jegliche politische Motivation ab, wie es in Deutschland von Politik, Justiz und Medien getan wurde, sondern verbrachten sie in Sondergef\u00e4ngnisse, wo sie mit Politikern, Sozialarbeitern und Psychologen sprachen. Dieser Dialog f\u00fchrte zu einer v\u00f6llig neuen Immigrationspolitik, Integrations- und Arbeitsprogrammen und kultureller Autonomie der in Holland lebenden Surinamer. Nie wieder kam es in Holland zu weiteren derartigen Aktionen.<\/p>\n<p>\u00c4hnliches &#8211; wenngleich unter umgekehrten Vorzeichen &#8211; erlebte ich in Mali, nachdem ein psychopathischer Putschist den demokratisch gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten kurz vor Ablauf seiner Amtszeit verjagte, damit eines der wenigen wirklich demokratischen L\u00e4nder Afrikas in seine bis heute nicht \u00fcberwundene tiefste Krise st\u00fcrzte und den Djhadisten T\u00fcr und Tor \u00f6ffnete. Selbst ich pl\u00e4dierte damals f\u00fcr den sofortigen Einmarsch der vereinigten West-afrikanischen Streitkr\u00e4fte der CEDEAO, aber die Malier sagten: \u00bbNein. Wir haben hier eine Kultur des Dialogs, wir reden mit dem Mann\u00ab. So konnte ich ihn t\u00e4glich im Staatsfernsehen heiser und fuchtelnd Forderungen nach gerechten Reispreisen h\u00f6ren, was seine Anh\u00e4ngerschaft unter den Unterprivilegierten erh\u00f6hte, bis deutlich wurde, dass er und seine Kumpane nur Reiche auspl\u00fcnderten um selber reich zu werden und seine Anh\u00e4nger von ihm abfielen. Inzwischen ist ein neuer Pr\u00e4sident gew\u00e4hlt und in diesen Tagen beginnt der Prozess gegen ihn.<\/p>\n<p>Nur durch Dialog kommt raus, was richtig oder falsch ist.<\/p>\n<p>Zum Abschluss ein pers\u00f6nliches Beispiel daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Der Leiter der holl\u00e4ndischen Polizeieinheit, die mich gefangen genommen hatte, setzte sich, obwohl er selbst verletzt wurde, von Anfang an mit meinen, also den Motiven unserer Gruppe auseinander, diskutierte sie mit seinen Kindern, suchte den Kontakt zu meinen Anw\u00e4lten. Nachdem er erfahren hatte, dass ich mich vom Mittel der Gewalt getrennt hatte ohne von der Kritik an den ungerechten Verh\u00e4ltnissen abzulassen, schrieb er an das f\u00fcr mich zust\u00e4ndige Oberlandesgericht: \u00bbein Mensch, der aus idealistischen Gr\u00fcnden das Gesetz gebrochen hat, ist, wenn er nicht mehr an diese Ideale glaubt, harmloser als jeder Eierdieb. Jeder weitere Tag Gef\u00e4ngnis erzeugt nur Zynismus und Resignation\u00ab und bat um meine vorzeitige Freilassung.<br \/>\nAls ich Jahre danach eine bis heute noch nicht realisierte Friedenskarawane durch Afrika initiierte, die endlich den \u00bbDialog der Kulturen\u00ab erm\u00f6glichen sollte, dessen Notwendigkeit als einzige Alternative heute bitterer denn je offensichtlich ist, schrieb er mir:<\/p>\n<p>\u00bbIch bin stolz auf Dich, mein Junge. Jetzt machst Du endlich das, was Du mit der RAF erreichen wolltest, mit den richtigen Mitteln\u00ab.<\/p>\n<p>Es geht auch anders.<\/p>\n<p>November 2014<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\">Der Film zum Krieg<\/h1>\n<h3><em>Tatort:<\/em> \u00bbim Schmerz geboren\u00ab &#8211; Blutrausch als gepflegte Unterhaltung zur F\u00f6rderung der R\u00fcstungsindustrie und des Salafistennachwuchses<\/h3>\n<p>Das \u00f6ffentlich rechtliche Fernsehen in Deutschland arbeitet mit einem vom Gesetzgeber festgelegten Bildungsauftrag. Dieser beinhaltet nicht nur die Verbreitung von Wissen und Information, sondern auch die Vermittlung von f\u00fcr das Zusammenleben in der Gesellschaft notwendigen Moral- und Wertvorstellungen. Dazu geh\u00f6rt an vorderster Stelle Orientierung im Umgang mit Gewalt; insbesondere in einer Zeit, in der Gewaltexcesse international eskalieren und nicht einmal die Kirchen dem etwas entgegensetzen.<br \/>\nDie Frage,\u00a0 wieviel und vor allem in welcher Form die Darstellung von Gewalt dazu beitragen kann, Abscheu und Ablehnung von Gewalt zu erzeugen,\u00a0 ist umstritten.\u00a0 Unterschiedliche individuelle Vordispositionen gesellschaftlicher, historischer und religi\u00f6ser Natur versch\u00e4rfen das Problem. Umso notwendiger ist es,\u00a0 \u00fcber Kriterien nach zu denken,\u00a0 wie Darstellung von Gewalt in Dokumentation und Kunst beurteilt werden kann.<br \/>\nWenn man davon ausgeht,\u00a0 dass die Darstellung selbst von Grauen notwendig ist, um eine Haltung zu unterst\u00fctzen, die Gewalt ablehnt, bleibt nur noch die Beurteilung der k\u00fcnstlerischen und \u00e4sthetischen Form, in der sie gezeigt wird. Dabei z\u00e4hlt auch nicht die subjektive Absicht des K\u00fcnstlers oder Dokumentaristen. Es geht nicht um die Behauptung, sondern um das Ergebnis: das, was zu sehen ist und wie es gemacht wurde &#8211; nur daraus l\u00e4sst sich ableiten, wie es wirkt.<br \/>\nAus diesem Grunde ist es notwendig,\u00a0 das Ph\u00e4nomen der zunehmenden Gewalt Darstellung im \u00f6ffentlich rechtlichen Fernsehen zu untersuchen. Schon vor 15 Jahren wirkte ich selbst in einem &#8222;Tatort&#8220; mit, in dem eine Vergewaltigung derart naturalistisch gezeigt wurde, dass die Zuschauer gerade mal vom Anblick der gyn\u00e4kologischen Details verschont wurden. Der Regisseur erkl\u00e4rte dies mit redaktionellen Vorgaben, es widerte ihn selbst an, vor allem aber die betroffenen Schauspieler.<br \/>\nInzwischen ist ausgefeilteste Brutalit\u00e4t in jedem der unz\u00e4hligen ARD und ZDF Krimis Achsel zuckend hingenommene, nicht weiter hinterfragte Realit\u00e4t. Wenn dann von den Verantwortlichen auf die &#8222;geniale Machart&#8220; hingewiesen wird, klingeln nicht s\u00e4mtliche Alarmglocken,\u00a0 sondern ist die Sache legitimiert. Das weist auf eine nicht hinterfragte Akzeptanz von Gewalt als Mittel der allt\u00e4glichen Auseinandersetzung hin, die parallel zur Eskalation der Gewalt als Mittel der weltweiten politischen Auseinandersetzung zu sehen ist.<br \/>\nMit der Konkurrenz der privaten TV-Anbieter ist dies nicht zu rechtfertigen.\u00a0 Die \u00f6ffentlich rechtlichen Anstalten sind unabh\u00e4ngiger denn je, seit jeder B\u00fcrger sie bezahlen muss, selbst wenn er ihre Dienste gar nicht in Anspruch nimmt. Auch ihr gesetzlich vorgeschriebener Auftrag, Gesellschafts sch\u00e4digenden Tendenzen entgegenzuwirken wird dadurch noch gr\u00f6\u00dfer.<br \/>\nDas Gegenteil ist der Fall. In einem ganz normalen ZDF Krimi darf ein amtierender Polizist drei Menschen erschie\u00dfen und zwar nicht in Aus\u00fcbung seines Amtes,\u00a0 sondern aus pers\u00f6nlichen Rachemotiven,\u00a0 wof\u00fcr sogar sein Chef Verst\u00e4ndnis hat. Und er killt nicht nur, er zelebriert seine Morde, er qu\u00e4lt seine Opfer vor ihrem Tod und das alles wird bis zum kleinsten Schweiss- und Blutstropfen in HD-Qualit\u00e4t ausgebreitet.<br \/>\nAktueller H\u00f6hepunkt dieser Brutalisierung des \u00f6ffentlich rechtlichen Fernsehens ist der \u201cTatort\u201d des Hessichen Rundfunks: \u201cim Schmerz geboren\u201d. Es wird erschossen, bei lebendigem Leibe im Main versenkt und erw\u00fcrgt. Minutenlang wird die Todesangst von Opfern gezeigt \u2013 aber nicht etwa abschreckend, sondern \u00e4sthetisch verz\u00fcckt, von beruhigender Trauermusik unterlegt:<br \/>\nder Genuss trieft allen Beteiligten aus allen Poren, wobei die Verantwortlichen f\u00fcr diese moralische Katastrophe alle Register modernster filmisch-technischer Mittel ziehen, wof\u00fcr sie dann auch noch einen Preis und Preisgeld in H\u00f6he von 20 000 Euro bekommen.<br \/>\nWer das sieht wird nicht davon\u00a0 abgeschreckt, sondern auf h\u00f6chstem Niveau daran gew\u00f6hnt.<br \/>\nDer Gipfel ist das Crescendo des Film, in dem sich eine von Drogen\u00a0 aufgeputschte Verbrecherbande ein Gefecht mit der Polizei liefert. In Zeitlupe spritzt das Blut, sirren\u00a0 die Kugeln und dazu wird der Zuschauer von sanft melancholischer Verdimusik eingelullt. Massaker\u00e4sthetik.<br \/>\nWer hier noch behauptet, das schaffe kritisches Bewusstsein gegen\u00fcber Gewalt oder entlarve gesellschaftliche Strukturen, ist selbst l\u00e4ngst Opfer dieses systematischen, die ganze Gesellschaft erfassenden medialen Abstumpfungsprozesses.<br \/>\n\u00c4sthetisierung von Gewalt ist Verharmlosung.<br \/>\nIrgendwie d\u00e4mmert das auch den Machern dieser \u00f6ffentlich rechtlichen Blutorgie, und so blenden sie immer wieder einen Shakespeare Zitator ein, der klarstellt: \u201cRache ist keine L\u00f6sung\u201d.<br \/>\nDie mediale Eigenart des Films ist aber, dies mit den Mitteln\u00a0 des Films, also auf unbewusster, unausgesprochener, indirekter Ebene zu vermitteln, das ist der Unterschied zur Analyse oder zum gesprochenen Wort. Wer seine Botschaft dazusagen muss, gesteht selbst ein, dass er sie mit anderen Mitteln, hier dem des Films, nicht zu vermitteln verstanden hat.<br \/>\nIm Falle von \u201cim Schmerz geboren\u201d ging es allerdings sowieso nicht darum, sondern ums Gegenteil:<br \/>\nUnterhaltung, Ablenkung, Verharmlosung, L\u00e4cherlichmachung; Gew\u00f6hnung an den Schrecken und Aufgeilung an Gewaltdarstellung. Der atavistische Affentanz zweier Brusttrommelnden Grosstadt-Gorillas mit Maschinengewehr bewaffneten Affenhorden hinter sich wird mittels Verweisen kreuz und quer durch die Kulturgeschichte hypostasiert zum Gebet: der Mensch ist und bleibt ein Tier, ein Affe mit Atombomde, wie schon Konrad Lorenz wusste. Die textbausteinartig abgespulte Behauptung, es ginge um Kritik daran ist nur eine pseudoemanzipatorische Rechtfertigung f\u00fcr diese excessive Ausbreitung der Gewaltdarstellung.<br \/>\nDie Botschaft ist eine gegenteilige:<br \/>\nGewalt hat keine gesellschaftlichen, politischen oder gar \u00f6konomischen Ursachen, sondern geht von Irren aus &#8211; in diesem Fall einem psychisch kranken Drogenh\u00e4ndler.<br \/>\nDas ist so, daran kann man nichts \u00e4ndern, das war schon immer so \u2013 was ein\u00a0 bunter Zitatemix aus der Weltliteratur, klassischer Musik und Westernglorie beweist.<br \/>\nUnd vor allem, &#8211; und das ist das Zentrum der Botschaft &#8211; :<br \/>\ndagegen gibt es nur ein Mittel, n\u00e4mlich noch mehr Gewalt.<br \/>\nDas entspricht exact den Anforderungen des globalen Zeitgeists. Dieser Film spiegelt nicht gesellschaftliche Zust\u00e4nde wider, sondern ist selbst Spiegel und Motor gesellschaftlicher Zust\u00e4nde:<br \/>\nWenn selbst Bisch\u00f6fe Waffenlieferungen fordern, anstatt mit ihren Kollegen von der anderen Variante der Anbetung desselben Gottes auch nur versuchen\u00a0 zu reden (wieso bietet sich der Papst nicht als Austauschgeisel an wie es H.D. Genscher 1972 beim Attentat der Pal\u00e4stinenser auf die israelischen Olympiasportler getan hat?), dann ist klar, was die Uhr geschlagen hat, dann m\u00fcssen die Menschen darauf eingeschworen werden, dass es f\u00fcr diese Irren wie IS oder wenn n\u00f6tig auch Putin nur eine Antwort gibt: \u201cab sechs Uhr wird zur\u00fcckgeschossen\u201d.<br \/>\nDeshalb ist dieser Film zum goldrichtigen Zeitpunkt gekommmen. Bequem bei einem Glas Wein in den Sessel zur\u00fcckgelehnt bleibt einem, auch noch legitimiert durch die halbe Kulturgeschichte, nichts anderes \u00fcbrig als \u2013 obwohl man es ja gar nicht will! \u2013 zu sagen: \u201cja, schmeisst die R\u00fcstungsschmieden an und gebt jedem Zunder, der nicht mitspielt\u201d. Man darf nicht nur nicht t\u00f6ten, sondern, wie jetzt von h\u00f6chstbisch\u00f6fflicher Seite verk\u00fcndet wurde, auch nicht \u201ct\u00f6ten lassen\u201d, sozusagen das elfte Gebot: lasst andere die t\u00f6ten, die t\u00f6ten, bevor diese uns t\u00f6ten und r\u00fcstet sie daf\u00fcr mit deutscher Qualit\u00e4tsarbeit aus.<br \/>\nDer Hessische Rundfunk als Absatzf\u00f6rderer der deutschen Waffenindustrie. Das deutsche Fernsehen als Richter und Henker: wer aus der Reihe tanzt, wird im Main versenkt \u2013 so geht es auch bei der Mafia zu. Die Fl\u00fcchtlinge werden ja auch im Mittelmeer versenkt, jedem das seine.<br \/>\nDieser Film verwurstet wirklich alles, was es je an emanzipatorischen Ideen und Versuchen gegeben hat aus dem Elend patriarchalischer Perspektivlosigkeit, wie sie heute von der Ukraine \u00fcber Irak bis Mali neue Gipfel erst\u00fcrmt, herauszufinden und zu einer friedfertigen Weltgesellschaft zu kommen.<br \/>\nDer Versuch einer \u201cmenage a trois\u201d, lernen wir am bem\u00fcht zitierten Beispiel des Films \u201cJules und Jim\u201d, ist nicht etwa ein Versuch zu repressionsfreien Beziehungen zwischen M\u00e4nnern uns Frauen zu kommen, sondern f\u00fchrt zu Mord und Totschlag zwischen den Kerlen, das war schon immer so und wir immer so bleiben. Frauen sind Sexualobjekte und Geb\u00e4rmaschinen, um die sich die M\u00e4nner zu kloppen haben, damit beim Nachwuchs die st\u00e4rksten Gene sich durchsetzen.<br \/>\nNichts Neues also, nur neu aufgelegt.<br \/>\nKomik darf auch dabei sein: w\u00e4hrend der Polizist und der Drogenbaron teuren Champagner trinken, m\u00fcssen Brigaden von SEK Soldaten schwitzen und werden schliesslich aus Mitleid nach Hause geschickt. Das Publikum beim M\u00fcnchner Filmfest lacht brav. Am Schluss des Films werden alle Toten eben schnell nochmal augenzwinkernd lebendig gezeigt: ist ja nur Film, das Publikum lacht brav.<br \/>\n\u201cIm Schmerz geboren\u201d \u2013 dieser Courths-Mahler betitelte, mit Verdi unterlegte Shakespeare\/Tarantino Verschnitt ist die bislang raffinierteste Version Abstumpfung gegen\u00fcber Gewalt mit Kritik an derselben zu verkaufen. Das kritiklose Gejubel \u00fcber diese k\u00fcnstlerische Delikattesse f\u00fchrt sich selbst vor:<br \/>\nje besser etwas gemacht ist, desto besser wirkt es.<br \/>\n\u201cDieser Film ist trotz 47 Morden nicht brutal\u201d beteuert eine Barbara M\u00f6ller in einer der vier gr\u00f6ssten Tageszeitungen der Republik.<br \/>\nQuod erat demonstrandum.<br \/>\nMorden ist immer brutal.<br \/>\nAber angesichts des weltweiten Mordens wird es an der Zeit dieses altmodische Denken zu den Akten zu legen.<\/p>\n<p>+++<\/p>\n<p>Noch vor wenigen Jahrzehnten konnte ein einziges Foto, das den verzweifelten Blick einer Frau zeigte, an deren Schl\u00e4fe eine Pistolenm\u00fcndung gedr\u00fcckt wird, die ganze Welt ersch\u00fcttern und zum Ende des Vietnamkriegs beitragen genauso wie die Emp\u00f6rung erzeugenden Dokumentationen von Bombardierungen Nordvietnams. Die erste Folge davon waren \u00f6ffentlich rechtliche Giftschr\u00e4nke, in denen derartige Aufnahme verbunkert wurden. Dieses Verfahren erzeugte nur sein Gegenteil: noch mehr Proteste.<br \/>\nSo entwickelte sich bald ein gegenteiliges Verfahren: Wir alle werden derart mit Bildern von Gewalt und Grausamkeit vollgeballert, bis nur noch jeder Mensch mit Abstumpfung und Verdr\u00e4ngung reagieren kann, keiner mehr betroffen ist.<br \/>\nForscher in\u00a0 aller Welt untersuchen seit einigen Monaten die Attraktivit\u00e4t der von dem IS auf facebook, twitter etc verbreiteten Propaganda f\u00fcr junge Menschen in Europa. Die \u00e4sthetisch perfekten Bilder von Kolonnen von Jeeps in der W\u00fcste, auf denen vermummte Gestalten mit Maschinenpistolen posieren, genauso wie detalliert gepostete Fotos erschossener, erw\u00fcrgter, gek\u00f6pfter Menschen. Sie haben herausgefunden, dass die IS Propaganda sich exact an das Vorbild amerikanischer Kriegsfilme h\u00e4lt und damit wirbt, dieses nur fiktionale endlich real werden zu lassen.<br \/>\nWenn nun\u00a0 die deutsche Gesellschaft sich dar\u00fcber wundert, dass viele junge Menschen nach Syrien oder in den Irak abwandern, um bei dem IS mitzuk\u00e4mpfen, sollte sie als erstes vor der eigenen T\u00fcre kehren:<br \/>\nwo sie die gnadenlose Brutalisierung des deutschen\u00a0 Fernsehens in den letzten beiden Jahrzehnten findet.<br \/>\nMan sollte diesen Offenbarungseid des deutschen Fernsehens als nicht mehr zu \u00fcberbietendes Alarmsignal begreifen, endlich die Killer- und Massakerorgie des \u00f6ffentlich rechtlichen Fernsehens einzustellen. Wenn Anstaltsleitungen, Redakteure, Regisseure und Drehbuchautoren vor dem Verwertungsdruck der R\u00fcstungsindustrie kapitulieren, dann sollte wenigstens der Bundesrechnungshof diesen Missbrauch \u00f6ffentlicher Gelder beenden.<br \/>\nDie verantwortliche Redakteurin mit Leni Riefenstahl gleichzusetzen t\u00e4te ihr zuviel der Ehre an, sie ist selbst nur R\u00e4dchen im Getriebe und muss ihre Rente sichern, indem sie in vorauseilendem Gehorsam an sie gestellte vermeintliche oder tats\u00e4chliche Erwartungen antizipiert. Aber sie erf\u00fcllt dieselbe Funktion: das Publikum, also die Gesellschaft mit Hilfe der Medien zu konditionieren, unertr\u00e4gliche, immer grausamere Gewalttaten achselzuckend oder gar am\u00fcsiert als unab\u00e4nderliche Tatsache hinzunehmen.<br \/>\nHeisst der Bildungsauftrag etwa: Abstumpfung der Gesellschaft gegen\u00fcber Gewalt und Konditionierung junger Menschen zur Beteiligung an salafistischen Mordorgien?<br \/>\n+++<br \/>\n1967 richtete ich in\u00a0 dem Film \u201cT\u00e4towierung\u201d eine Plastikpistole auf meinen Ziehvater, ein Schuss fiel, er sank zu Boden. 1977 richtete ich eine echte Waffe auf einen Polizisten und es kam zu einem gl\u00fccklicherweise nicht t\u00f6dlichen Schusswechsel:<br \/>\nwenn ich beim Anblick dieses Filmes Abscheu und Wut empfinde, weiss ich, wovon ich rede, denn ich kenne beide Dimensionen aus eigener Erfahrung: Gewalt im Film und Gewalt in der Realit\u00e4t.<br \/>\nDarstellung von Gewalt hat in jedem Fall ungeheure tiefenpsychologische Wirkungen, deren Ausmasse niemand genau bestimmen kann. Wer hier auch noch diese Abschlachterei mit dem Bed\u00fcrfnis der Menschen nach Unterhaltung zu rechtfertigen versucht, handelt zumindest grob fahrl\u00e4ssig: Unterhaltung und Abschreckung schliessen sich gegenseitig aus.<br \/>\nKunst besteht darin, nicht zu zeigen, was dargestellt werden soll, erst recht, wenn es um Gewalt geht. Nur so kann sie Schrecken und Abschreckung erzeugen. 1:1 dargestellte Gewalt verhindert Abschreckung. Gewalt als Unterhaltung schaltet kritische Reflexion aus. Vermittelt Gewalt als unab\u00e4nderlich.<br \/>\nWenn man die Menschen mit der wirklichen Brutalit\u00e4t konfrontierte &#8211; z.B. Fotos der Gr\u00e4uel in Darfur &#8211; und zwar pur, 1:1, dann w\u00fcrden die Leute verr\u00fcckt werden; die nachgemachte Brutalit\u00e4t hilft, die Brutalit\u00e4t zu ertragen, verharmlost sie: und ist damit Vorreiter und Legitimator und Erm\u00f6glicher der wirklichen Brutalit\u00e4t, brutalen Realit\u00e4t.<br \/>\nAls ich gestern mit meinem kleinen Sohn auf dem Spielplatz mit anderen Eltern sprach, konnte keiner dieser zur \u201cTatort\u201dZielgruppe geh\u00f6renden Menschen diesem von allen Medien zum nationalen Ereignis hypostasierten Film etwas abgewinnen. Der einhellige Kommentar war: \u201ckrank\u201d. Niemand aus meinem gesamten Bekanntenkreis hat sich diesen Film als Ganzes angesehen.<br \/>\nDas l\u00e4sst hoffen.<br \/>\n\u201cIm Schmerz geboren\u201d ist eine Chance.<br \/>\nEine einzigartige Gelegenheit, das Steuer herumzureissen und zum wirklichen Bildungsauftrag des \u00f6ffentlich rechtlichen Fernsehens zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Oktober 2014<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\">Schwarzafrika, das weisse Blatt Papier<\/h1>\n<h2>Zu Christoph Schlingensiefs Albtraum eines Operndorfs f\u00fcr einen M\u00f6rder.<\/h2>\n<p>Dass sich das Leben in den Genussmetropolen dieser Erde gar nicht so gen\u00fcsslich erleben l\u00e4sst wie in der Werbung versprochen &#8211; \u00bbmit Genussgarantie\u00ab &#8211; hat sich inzwischen herumgesprochen. Freudlosigkeit, Isolation und Angst bestimmen den Alltag und k\u00f6nnen auch mit Konsumsteigerung, internetchat und Alkohol nicht verdr\u00e4ngt werden. Esoterik, Fitness und sowieso alles Bio bringen auch nicht so recht das ersehnte Gl\u00fcck &#8211; kein Wunder, dass sogar gestandene Konservative inzwischen die Kapitalismuskritik entdeckt haben.<\/p>\n<p>Aber es gibt einen Ausweg aus dieser verfahrenen Situation. Es stimmt nicht, dass \u00bbman nichts machen kann\u00ab! Die ganzen wohlfeil formulierten Klagen von Wertezerfall und Sinnverlust werden L\u00fcgen gestraft mit nur einem Zauberwort, das selbst K\u00fcnstlern als Balsam gegen die vollgestopfte Leere der Kulturindustrie dient:<br \/>\nAfrika.<\/p>\n<p>Afrika wird neu entdeckt: Schwarzafrika, das wei\u00dfe Blatt Papier.<\/p>\n<p>In Afrika kann man sich endlich mal so richtig austoben. In Afrika kann man nach Lust und Laune die Sau rauslassen. In Afrika kann der gehobene, politisch und kulturell bewusste Mittelstandsb\u00fcrger die \u00c4rmel hochkrempeln und kernig all das verwirklichen, was in unserer langweiligen europ\u00e4ischen \u00dcberflussgesellschaft nicht mehr drin ist.<\/p>\n<p>In Afrika hat man eine Generallizenz f\u00fcr noch den absurdesten Bl\u00f6dsinn, der einem \u00fcber die Leber l\u00e4uft, denn<br \/>\n&#8211; in Afrika leben lauter arme, unf\u00e4hige und hilflose Menschen, die ohne uns verloren w\u00e4ren!<br \/>\n&#8211; in Afrika gibt es keine Kultur &#8211; den Leuten muss man ja noch das 1&#215;1 beibringen, worauf sie ein Recht haben, sind doch schliesslich auch Menschen wie du und ich!<br \/>\n&#8211; in Afrika leben die Opfer unserer Kolonisierung, da m\u00fcssen wir etwas wieder gut machen!<\/p>\n<p>Und der von seiner Frustration gequ\u00e4lte Mitteleurop\u00e4er schl\u00e4gt zwei Fliegen mit einer Klappe: endlich hat das Leben wieder einen Sinn und man steht auch noch ganz toll da, kann sich auf die Schulter klopfen, wieder in die Augen sehn und in den Schlaf des Gerechten verfallen. Hilfe f\u00fcr Arme, Kampf gegen Krankheit und Hunger, sinnvolle Entwicklungshilfe &#8211; und das auch noch kombiniert mit erlebnisorientierter Urlaubsgestaltung: was will der Mensch mehr?<\/p>\n<p>Eines der abstossendsten Beispiele f\u00fcr diese immer noch ungebrochene und kaum in Frage gestellte Haltung ist das von dem leider fr\u00fch verstorbenen Regisseur Christoph Schlingensief initiierte Operndorf in Burkina Faso. Unzweifelhaft wollte Schlingensief nur das Beste und kannte sich mit den \u00f6rtlichen Gegebeneheiten nicht aus, aber Unwissenheit sch\u00fctzt nicht vor Kritik. Und es geht hier nicht um Schlingensief, sondern um den exemplarischen Charakter seiner Initiative.<\/p>\n<p>Hier kommt alles zusammen, was der Markt der unerf\u00fcllten Sehns\u00fcchte dem intellektuellen, engagierten und sich seiner politischen Verantwortung bewussten Mitglied der europ\u00e4ischen Zivilisation zu bieten hat &#8211;<br \/>\nund offenbart damit seine Haltung:<\/p>\n<p>&#8211; wir da oben, die da unten<br \/>\n&#8211; wir sind \u00fcberlegen, die sind unterlegen<br \/>\n&#8211; wir sind keine Ausbeuter: was fr\u00fcher Unterdr\u00fcckung war, ist heute Hilfe<br \/>\n&#8211; wir sind wichtig<br \/>\n&#8211; unsere Kultur ist die einzige, die diesen Namen verdient<br \/>\n&#8211; wir sind selbstlos und altruistisch<br \/>\n&#8211; wir wissen, was diese Menschen brauchen &#8211; deshalb brauchen wir sie nicht zu fragen, ob sie es \u00fcberhaupt wollen<br \/>\n&#8211; wer zahlt, hat das Sagen, wer nimmt, hat die Schnauze zu halten und dankbar zu sein<br \/>\n&#8211; wir sind Subjekt, sie sind Objekt<br \/>\n&#8211; am europ\u00e4ischen Wesen soll Afrika genesen<\/p>\n<p>Da man das nicht laut sagen darf und die Akteure dieser Haltung sich erfolgreich verbieten, es auch nur zu denken, beschw\u00f6ren sie eins ums andere Mal das Bild von der \u00bbgleichen Augenh\u00f6he\u00ab, auf der sie als fortschrittliche, aufgekl\u00e4rte Menschen agierten.<\/p>\n<p>Davon kann in beiden Richtungen keine Rede sein.<\/p>\n<p>Wenn Christoph Schlingensief, der der deutschen Kultur so viele Anregungen schenkte, dem Staatschef von Burkina Faso, Blaise Campoare, einem notorischen Menschenschinder und M\u00f6rder seines Vorg\u00e4ngers (was C.S. vielleicht nicht wusste) ein derart nettes, publizit\u00e4tsgeladenes Geschenk wie ein Operndorf mit angegliederter Schule macht, reibt letzterer sich die H\u00e4nde und lacht sich ins F\u00e4ustchen. Seine Verachtung gegen\u00fcber dieser Weissnase, die ihn davon befreit, selbst Schulen zu bauen, obwohl er und sein Land es mehr als ausreichend k\u00f6nnten, entspricht der Verachtung des europ\u00e4ischen Zeitgeistk\u00fcnstlers gegen\u00fcber diesem Marionettenkaiser, der froh sein kann, dass wir uns \u00fcberhaupt mit ihm abgeben.<\/p>\n<p>Was Frantz Fanon schon in den 50er Jahren als \u00bbkomplement\u00e4r neurotisches\u00ab\u00a0 Verhalten zwischen Schwarzen und Weissen diagnostizierte, kommt im neuen Jahrtausend erst richtig zum Zuge: die \u00bbKonstellation des Deliriums\u00ab hat mit dem Operndorfwahn das Delirium tremens erreicht.<\/p>\n<p>Es ist die ersch\u00fctterndste Erfahrung meines zehn-j\u00e4hrigen Aufenthalts im Nachbarland Burkinas, Mali, dass die komplement\u00e4re Verachtung zwischen Weissen und Schwarzen das Verh\u00e4ltnis so nachhaltig zerst\u00f6rt hat, dass keine Besserung in Aussicht scheint. Da fehlte nur noch ein Operndorf. Denn damit kommt auf den Begriff, was gespielt wird:<\/p>\n<p>Der Herrenmensch feiert fr\u00f6hliche Urst\u00e4nd.<\/p>\n<p>Er hat die Milit\u00e4rstiefel mit dem Airbus vertauscht, den Feldstecher mit der Digitalkamera und das mit Powerpoint Munition geladene Maschinengewehr mit dem mit Powerpoint Dateien geladenen Laptop.<br \/>\nDer neue Herrenmensch f\u00e4llt nicht in Kontinente ein wie einst die Siedler in Amerika &#8211; nein, er mietet sich in klimatisierten Hotels ein, die er zu diesem Zweck bauen l\u00e4sst und zu deren Betrieb er Solaranlagen installiert, er durchpfl\u00fcgt nicht mit Panzern das wilde Land, er durchpfl\u00fcgt es mit vierradangetriebenen Landrovern, er metzelt die Eingeborenen nicht mehr ab, er beschenkt sie mit Kugelschreibern, Highlightern und abgetragenen, aber durchaus noch brauchbaren Klamotten.<br \/>\nDer neue Herrenmensch k\u00e4mpft nicht mit Waffen, sondern mit Worten: er nennt sein Diktat von nun an \u00bbCooperation\u00ab, \u00bbvertragliche Vereinbarung\u00ab oder, um das unermessliche Ausmass seiner Grossz\u00fcgigkeit deutlich zu machen, \u00bbGeschenk\u00ab.<br \/>\nDer neue Herrenmensch schiesst nicht mehr &#8211; er zahlt. Und wer zahlt, hat das Sagen. Ohne Moos nix los. Also soll jeder froh und dankbar sein, dem der neue Herrenmensch das Geld hinterhertr\u00e4gt.<br \/>\nDer Herrenmensch braucht keine Strategien mehr: er macht Projekte.<br \/>\nEr \u00bbf\u00fchrt\u00ab Projekte \u00bbdurch\u00ab, er \u00bbrealisiert\u00ab Projekte: er vollstreckt Projekte.<\/p>\n<p>Nun ist freilich schon fast die ganze Welt mit Projekten zugepflastert, nur ein Kontinent bietet noch das, was der neue Herrenmensch sucht: weites, unbebautes Feld, schrankenlose Entfaltungsm\u00f6glichkeiten, bedingungslose Handlungsfreiheit.<br \/>\nDieser Kontinent heisst Afrika.<br \/>\nSchwarzafrika &#8211; das weisse Blatt Papier: Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr in Europa unerf\u00fcllbare Tr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Es gibt dort zwar auch Menschen, aber die sind schwarz, die sieht man nicht, und wenn sie sich doch irgendwie bemerkbar machen, dr\u00fcckt man ihnen eine Schaufel in die Hand, und l\u00e4sst sie eine Schule bauen: so kehrt bei diesen Halbaffen endlich mal die Zivilisation ein und ein Taschengeld bekommen sie noch dazu!<br \/>\nNeokolonialismus kommt heute als Kulturkolonialismus daher: der Feldherr mit dem Opernglas, Napoleon als Operettenfigur, Livingstones Tochter ist heute Projektinspektorin mit breitkrempigem Sonnenschutz. Nach der politischen die kulturelle Versklavung.<\/p>\n<p>Und wie sollen die Menschen reagieren, wenn sie mit solchen Zumutungen konfrontiert sind?<\/p>\n<p>\u00bbLes blancs sont la pour payer\u00ab (die Weissen sind da um zu zahlen) &#8211; so haben es einige sogar ausgesprochen, so denken alle. Diese arroganten Besserwisser in ihren fetten Vierradautos, Villen mit Pool, in einem Land, in dem die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung kein sauberes Trinkwasser hat, ihrem protzigen Verhalten, mit dem sie Geld um sich schmeissen, das nicht einmal ihnen geh\u00f6rt, diese Sonnenbrillentr\u00e4ger mit ihren Waffen, ihren Schrott-Containern, die sie bei uns entsorgen und noch Dankbarkeit daf\u00fcr fordern,\u00a0 ihrer herablassenden Grossz\u00fcgigkeit &#8211; das sind doch gar keine richtigen Menschen: so werden sie jedenfalls von denen gesehen, die sie begl\u00fccken wollen. Sie gelten als grob, unsensibel, kommunikationsunf\u00e4hig, \u00bbEmpathie\u00ab ist ein Fremdwort f\u00fcr sie, sie erkennen keine Zeichen, keine Haltungen, keine Signale, sie verstehen nichts von Natur, von Geist, von Ausstrahlung, kurz: sie sind in den Augen derer, die sie f\u00fcr primitiv halten, selbst primitiv. Das sagt man ihnen nat\u00fcrlich nicht &#8211; sie sollen ruhig an ihre \u00dcberlegenheit glauben, solange sie zahlen.<\/p>\n<p>Im Flugzeug sass einmal ein gut gekleidetes Paar aus Mali hinter mir. Die beiden flogen von Geberverhandlungen aus Paris zur\u00fcck in ihre Heimat. Sie am\u00fcsierten sich k\u00f6niglich \u00fcber die Uninformiertheit der Geldgeber, ihr schlechtes Gewissen und wie einfach es sei, mit gewissen Ausdr\u00fccken und Gesten Geld locker zu machen. Running Gag in dieser Lachparade der Verachtung in der Sitzreihe hinter mir war das Wort \u00bbProjekt\u00ab: es auszusprechen und eine Kalkulation in dreifacher Ausfertigung beizulegen funktioniert wie ein Klick auf dem Rechner und das Geld wird ausgespuckt. Danach k\u00fcmmert sich keiner mehr drum. Unterbrochen wurde das Gespr\u00e4ch, als die beiden sich ausgiebig im duty free shop bedienten.<\/p>\n<p>Dass Schlingensief in der ganzen Welt keinen Ort fand, seinen Plan zu verwirklichen, sondern erst in Burkina Faso f\u00fcndig wurde, ist kein Wunder.<\/p>\n<p>In Burkina Faso regierte in den achtziger Jahren des letzten Jahrhundert ein Pr\u00e4sident, der s\u00e4mtliche Klischees des \u00bbtypisch afrikanischen Potentaten\u00ab auf den Kopf stellte. Sein Name ist Thomas Sankara, bis heute unvergessener gr\u00f6sster Hoffnungstr\u00e4ger, den Afrika je hatte. Er schaffte die Dienstmercedesse ab und ersetzte sie durch R4 Kleinw\u00e4gen,\u00a0 er trug einfache Kleidung aus burkinischen Stoffen, er lebte in einem einfachen H\u00e4uschen und lehnte \u00bbHilfe\u00ab von aussen ab: \u00bbwir sind stark, wir sind ein reiches Land, wir haben alles und k\u00f6nnen alles selbst produzieren. Der Reis auf unseren Tellern, den uns der Westen schickt, macht uns ohnm\u00e4chtig, macht uns zu Bettlern, zu Almosenempf\u00e4nger, blockiert unsere Entwicklung\u00ab.<\/p>\n<p>Es ist klar: der Mann musste sterben. Sein M\u00f6rder: Sankaras Stellvertreter, engster Vertrauter und politischer Ziehsohn, Blaise Campoare, noch heute, inzwischen fett gewordener, Diktator Burkina Fasos. Schnell stellte er die alten Verh\u00e4ltnisse wieder her und vertiefte sie: John Taylor, dem Menschschl\u00e4chter in Liberia lieferte Blaise Campoare noch Waffen gegen Gold und Juwelen, als Taylor l\u00e4ngst von aller Welt isoliert war (die ZEIT berichtete). Im letzten Jahr kassierte Campoare als \u00bbVermittler\u00ab in der Mali-Krise vor allem von der bewaffneten Organisation MNLA seinen Anteil an deren Menschen-, Zigaretten-, Kokain- und Uranhandel.<\/p>\n<p>Da kommt ein Operndorf richtig gut. Zumal das Mordverfahren in Den Haag gegen ihn anh\u00e4ngig ist &#8211; so eine publicity l\u00e4sst sich kaum bezahlen. Im Gegenteil, an dieser Schickmicki &#8211; Charity verdienen sogar noch einige:<br \/>\n500 000 Euro, br\u00fcsten sich die Campoare Helfer, seien schon ausgegeben worden, um ein paar modern gek\u00fchlte Schulr\u00e4ume zu bauen.<\/p>\n<p>Wiebitte?<\/p>\n<p>F\u00fcr 500 000 Euro inklusive Grundst\u00fcck kann man in Mali, wo Baumaterial teurer ist, f\u00fcnf dreost\u00f6ckige H\u00e4user bauen, mit jeweils f\u00fcnf B\u00e4dern, plus angeh\u00e4ngten Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen &#8211;<br \/>\nwas ist mit dem vielen Geld geschehen, an dem sich der \u00bbBochum\u00ab-S\u00e4nger Groenemeyer allein mit 100 000 Euro beteiligt hatte?<br \/>\nWieso musste ein Berliner Stararchitekt mit afrikanischen Wurzeln die Schulr\u00e4ume entwerfen &#8211; gibt es in Burkina Faso keine Architekten? K\u00f6nnen sie nicht so medienwirksam \u00fcber die unertr\u00e4glichen schulischen Zust\u00e4nde in ihrer Kindheit klagen? Hat er ohne Honorar gearbeitet?<br \/>\nWo ist das ganze Geld geblieben, mit dem man f\u00fcnf Schulen h\u00e4tte bauen k\u00f6nnen, wenn man schon den armen Herrn Campoare und den burkinischen Staat nicht damit belasten will? Und schon gar nicht den unermesslichen Reichtum der Oberklasse Burkina Fasos, die ihr Geld auf den internationalen Finanzm\u00e4rkten arbeiten l\u00e4sst anstatt Steuern zu zahlen, nicht antasten will?<br \/>\nWarum fahren die Initiatoren des \u00bbOperndorfs\u00ab eigentlich nicht nach Afrika und fragen die dort lebenden Menschen erstmal, wo sie eigentlich der Schuh dr\u00fcckt, wenn sie ihnen unbedingt helfen wollen?<br \/>\nWarum f\u00f6rdern sie nicht die von Hiphop und RAP immer weiter ins Abseits gedr\u00e4ngte afrikanische klassische Musik, wenn sie schon Traditionen bewahren wollen?<br \/>\nWarum errichten die Initiatoren des \u00bbOperndorfs\u00ab nicht ein Musikdorf zum Beispiel in der L\u00fcneburger Heide, in das sie Musiker aus aller Welt einladen, die sich dort austauschen und voneinander lernen?<br \/>\nWarum benehmen sie sich statt dessen so, als ob in Burkina keine Menschen lebten; als ob diese nicht selbst w\u00fcssten, was sie br\u00e4uchten und was nicht?<br \/>\nWarum eine (Luxus!)Schule, wenn gerade in Burkina Faso eine grosse Anzahl Kinder vor dem Erreichen des Schulalters an verseuchtem Wasser stirbt und vielleicht ein Trinkwasserprojekt naheliegender w\u00e4re, auch wenn Burkina auch das selbst finanzieren k\u00f6nnte?<\/p>\n<p>Das Traurige an derartigen Initiativen ist, dass die Kr\u00e4fte in Afrika, die tats\u00e4chlich die Verh\u00e4ltnisse \u00e4ndern wollen, durch diese von aussen kommenden, die wirklichen Bed\u00fcrfnisse ignorierenden Massnahmen, behindert werden.<\/p>\n<p>Und auch wenn es unangenehm ist:<br \/>\nWarum haben Menschen das Bed\u00fcrfnis, sich in Afrika einzumischen, obwohl sie keine Ahnung von den Bed\u00fcrfnissen der dort lebenden Menschen haben?<br \/>\nWeil sie in Europa das nichtsw\u00fcrdige Wesen sind, das unsere Hochkultur aus dem Menschen macht &#8211; in Afrika aber der grosse Macker, als der sie sich selbst verstehen. Es geht um Rekonstruktion mangelnden Selbstbewusstseins, Reparatur erniedrigten Selbstwertgef\u00fchls, b\u00f6se Zungen nennen das sogar neokolonialistische Selbstbefriedigung unerf\u00fcllter Allmachtsphantasien.<\/p>\n<p>Die Folge davon ist die Zerst\u00f6rung der Moral der betroffenen Menschen, die Erzeugung einer fatalistischen Empf\u00e4ngerhaltung: wieso selber noch etwas auf die Beine stellen, wenn man nur zu warten braucht, bis irgendwelche Weissen kommen und Geld ausspucken.<\/p>\n<p>Die unheilige Allianz der neuen Herrenmenschen mit ihren einheimischen Partnern verhindert genau die Entwicklung, die sie behauptet zu f\u00f6rdern. Sie erzeugt eine \u00f6konomisch, politisch und kulturell v\u00f6llig perspektivlose \u00bbProjekt-Gesellschaft\u00ab, die im zwei- bis drei-Jahres Rhythmus der Projekte vor sich hin west. Sie leitet die Zerst\u00f6rung der Menschenw\u00fcrde, unter der unsere Gesellschaft leidet, weiter.<\/p>\n<p>Christof Wackernagel<br \/>\n15.1.2014<\/p>\n<h2><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder Mensch kann sich selbst sch\u00fctzen Fakten: \u00bbDie meisten Menschen, die an COVID-19 erkranken, haben leichte bis mittelschwere Symptome und werden wieder gesund, ohne dass sie eine besondere \u00e4rztliche Behandlung ben\u00f6tigen.\u00ab COVID-19 Data Repository by the Center for Systems Science and Engineering (CSSE) at Johns Hopkins University. \u00bbEs liegt auf der Hand, dass ein schwerer [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":3,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"page-templates\/full-width.php","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-86","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.christofwackernagel.de\/aktuelles\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/86","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.christofwackernagel.de\/aktuelles\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.christofwackernagel.de\/aktuelles\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.christofwackernagel.de\/aktuelles\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.christofwackernagel.de\/aktuelles\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=86"}],"version-history":[{"count":20,"href":"http:\/\/www.christofwackernagel.de\/aktuelles\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/86\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":398,"href":"http:\/\/www.christofwackernagel.de\/aktuelles\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/86\/revisions\/398"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.christofwackernagel.de\/aktuelles\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=86"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}