Madu macht Tee

Madu macht Tee

Zwei bis drei oder auch vier Mal am Tag und Abend macht Madu Tee. Le Premiere, le Deusiemme e le Troisiemme sind die drei Stufen einer Teerunde. Manchmal nutzt Madu auch den Troisiemme, die dritte Aufkochung, als Grundlage für den Premiere. Dieser Tee wirkt wie eine Droge. Aufputschmittel. Hat der Kaffee eine wach mach und wach halte Kurve die steil ansteigt, kurz den höchsten Punkt hält und dann innerhalb einer Stunde wieder abfällt, ist die dieses Tees deutlich anders.. Auch ein steiles Ansteigen, aber ungleich längeres Anhalten der Wirkung. Wunderbar abends für längeres Musik machen oder Schreiben, Unterhalten, Lesen bis um zwei, drei Uhr nachts.

Diese Art des Tee Machens ist eigentlich nur für draußen geeignet, (im Winter auf dem Holzofen geht’s auch). Beim Anfeuern raucht´s, Holzkohleasche fällt aus dem Öfchen, Tee schwappt, das Wasser zum Gläser und Teeschaum säubern fließt über das Tablett auf den Boden. Fourne auf französisch, heißt der kleine Holzkohle Grill, der nur zum Tee kochen verwendet wird. Einen Namen auf Bambara gibt’s meint Madu….aber er kennt ihn nicht. Schäm dich frotzelt Christof.

Er ist aus Drahtgeflecht durch das der Wind die Holzkohle am Glühen hält. Etwas Stroh oder kleine Ästchen untergemischt legt Madu Holzkohle in den Fourne, zündet an und  fächelt  Luft zu, damit die Holzkohle schnell anbrennt, oder er holt sich schon glühende Kohlestücke aus Sanatas Kochherd. Aber auch ohne Fächer geht`s. Man nimmt den Fourne an seinem Tragbügel, lässt ihn an ausgestrecktem Arm kreisen bis die Holzkohle glüht und das Schultergelenk protestiert. Ist die Holzkohle soweit angefacht, dass sie von alleine weiter glüht, füllt Madu die Teekanne mit Wasser und stellt sie in die glühende Kohle, darauf bedacht, dass die Kanne auch sicher und gerade steht.

Zweihundert Kubikzentimeter passen nur in die Kanne  aus dickem,  silbernem Aluminium und dem hübschen, spitzen Deckel mit den drei Dampfabzug Löchern. In das noch kalte Wasser gibt Madu nun ein Päckchen Canal Gunpowder Tee, fünfundzwanzig Gramm. Das Ganze kocht jetzt etwa zwanzig Minuten sprudelnd vor sich hin und verströmt  einen intensiven, kräuterigen  Teeduft. Dann  landet  der  Teesud , denn mehr bleibt nicht übrig an Flüssigkeit als für zwei bis drei der kleinen Teegläschen, in einem zweiten Kännchen aus Edelstahl, fast gefüllt mit frischer oder getrockneter Minze. Nanai auf Bambara. Auch ein drittel Gläschen Zucker kommt noch dazu, alles wird wieder auf die Holzkohle gestellt und noch eine viertel Stunde zirka gekocht.

Kohleklau bei Sanata

Kohleklau bei Sanata

So sieht ein Fourne neu aus

Jetzt kommt der schwierigste Teil der Prozedur. Um Schaum zu erzeugen, der  ist wie  das Tüpfelchen auf dem I, gießt Madu den Tee in hohem Bogen von einem Gläschen in das andere und wieder zurück, immer bleibt auch etwas Flüssigkeit im Glas damit es schön platscht und sich möglichst viel fester Schaum entwickelt.
Zum neuerlichen Erhitzen geht’s zwischendrin auch immer wieder in die Kanne die auf dem Fourne steht. Nebenbei spült Madu die Gläser außen mit Wasser ab, da öfter mal ein Schwapp daneben geht, werden die Gläser klebrig. Ist das Glas auch senkrecht gekippt, der steife Schaum bleibt drin. Selbst den bräunlichen Schaum wäscht Madu mit Wasser. Erstaunlich, der Schaum ist so steif, dass er selbst diese Prozedur unbeschadet übersteht. Ein letztes Erhitzen, in hohem Bogen füllt Madu den Teesud in die  Schaum gefüllten Gläser. Wieder ein  paar mal  hin und her, zurück  in die Kanne, wieder in die Gläser. Zwischen drin probiert Madu die dunkelbraune Flüssigkeit. Schlürfend den heißen Tee mit dem Schaum kühlend einsaugend. Mit zufriedenem Gesicht verkündet er: „le tee e pret“. Ein letztes Mal von der Kanne in die Gläser. Mit hoher Schaumhaube über dem Glasrand sieht es aus wie ein winz Glas Guinnes.

Nanai / Hier wird gewaschen / Da schäumts aber / Zucker dazu / Endprodukt

Jedesmal schmeckt er anders, intensiv nach Karamel mit getrockneter Minze, herb bis scharf minzig. Mit frischer sanfterer Minzgeschmack. Mit dem hiesigen Canal Tee nur leicht bitter, mit dem grünen von Westminster (Aldi Nord), fand Madu gut, haben wir aus Deutschland mitgebracht, stark bitter der Premiere,, dass es mir manchmal das Gesicht verzieht; jedoch mit intensiverer Wirkung. „ Anene“, wohl bekomms. Wir schlürfen mit ein paar Schlucken das heiße Gebräu in uns hinein. Richtig cremig nach Kräutern undgrünem Tee duftend. Das war Canal der nicht so Bittere. Mit der Wärme des heißen Suds breitet sich in Körper und Kopf langsam ansteigendes Wohlgefühl aus und man möchte unbedingt etwas tun.

Nach ungefähr einer Stunde ruft`s wieder. „le tee, le deusiemme“. Der ist auch ganz unterschiedlich. Je nach dem was Madu sonst noch in der Zwischenzeit gemacht hat, wann er wieder, oder ob überhaupt an den kochenden Tee gedacht hat und er völlig verdampft ist, weil vergessen; alle Faktoren spielen hier im Geschmack eine Rolle. Welcher welche weiß keiner. Egal, oft ist der Duesiemme noch geschmackvoller, feiner, karameliger mit einem Hauch von Wiesenkräutern. Die Bitterstoffe haben wir schon mit dem Premiere getrunken. In der Farbe gleicht er noch einem länger gezogenem schwarzen Tee aus unseren Breiten.

Die dritte Aufkochung der „Troisiemme“ ist ungleich heller und hat keinen so vollen Geschmack mehr. Die Schaumkrone ist dürftiger. Also benutzt Madu den Troisiemme öfter als Grundlage für den nächsten Premiere der ihm dann von vorne herein die richtige Richtung gibt.

Inzwischen mache ich den Tee auch ganz gut nach Madus und Christofs Meinung. Auch die Nachbarin nickte anerkennend. Bloß das mit in die Gläser zielen ist noch lücksache.

Eberhard Jost

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.