Wie die Weissen den Krieg unter den Schwarzen anzetteln

Wie die Weissen den Krieg unter den Schwarzen anzetteln

Bericht von Madou Coulibaly nach seinem Besuch in Quelenguena vom 23. bis 27.1.2010:

Madou sprach lange mit dem Bürgermeister (Dougoutigi), seinem Vater, seinem Onkel, der der Feticheur des Dorfes ist und einigen Freuden über die Hintergründe der Auseinandersetzungen beim Toilettenbau, dem Auslöser des Konflikts mit APA, dem ersten Beispiel für meinen Vorwurf der Verletzung und Missachtung der Menschenwürde und des Respekts gegenüber der Bevölkerung von Quelenguena sowohl durch Dr. Herbert Querfurt als auch durch seine Mitarbeiter Dr. Seydou Segoule und Haby Dembele.

Und dem ersten drastischen Beispiel für die durch die Einmischung der Weissen, ihr Geld und ihre ungefragten Vorschläge ausgelösten Konflikte unter den Afrikanern selbst.

Madous bester Freund seit Schulzeiten, Mohammed hatte den Bau der Schule initiiert, das Geld dafür gesammelt, den Bau zusammen mit Madous Bruder, dem Ingenieur Kassim realisiert, eine Schnellausbildung als Lehrer gemacht und die Schule seitdem geleitet. Er ist im ganzen Dorf ein geachteter Mann und gilt als 100% integer.

Als nach den bekannten Querelen endlich mit dem Bau begonnen werden konnte, bekam er von Dr. Seydou 300 Euro, 200 000 Fcfa als Anzahlung.

Als das Geld verbraucht war, nur noch das Blechdach fehlte, bat er um die restlichen 200 Euro, 130 000 Fcfa.

Segoule/Dembele sagten, das Geld müsse vorgestreckt werden, was Mohammed ablehnte.

Daraufhin kamen Dr. Seydou Segoule und Haby Dembele nach Quelenguena und klagten Mohammed öffentlich an, die 300 Euro nicht korrekt ausgegeben zu haben, weswegen die restlichen 200 Euro an einen mit Dr. Seydou befreundeten Bauunternehmer in Kutialla gingen, der dafür das Blechdach installierte.

Obwohl kein Mensch im Dorf Mohammed eine Unterschlagung auch nur des geringsten Betrages zutraut oder gar vorwirft, was Madou auf mehrfache Nachfrage bestätigte, ist Mohammed von diesem Vorwurf und vor allem Vorgang, also den Bedingungen seiner Äusserung, so tief getroffen, das er ihn „bis zum Ende seines Lebens nicht vergessen“ werde. Der Kontakt zu Madou brach ab. Als Madou jetzt fragte, was los sei, warum er ihn nicht treffe, wurde er davon unterrichtet, dass Mohammed vor einiger Zeit ohne sich zu verabschieden zu seinem Vater nach Abijan gereist sei, man nicht wisse, wann er wiederkomme, und ein anderer Schulleiter installiert worden sei.

Die Ethnologin Noemi Steuer, die seit zwölf Jahren nach Mali reist und derzeit an einer Dissertation über „Namen und Ehre in der malischen Gesellschaft“ arbeitet, erklärte mir dazu im Allgemeinen:

„Wenn jemand den „Namen“, die Ehre eines anderen angreifen will, kann er das auf zwei Weisen tun:

  1. er streut hinter dem Rücken des Betroffenen ein Gerücht aus, sagt es ihm aber nicht ins Gesicht und gibt es nicht zu. Das unterhöhlt das Ansehen, die Ehre des Betroffenen, wahrt aber den Respekt gegenüber demjenigen.
    Oder
  2. er klagt ihn öffentlich an. Das zerstört nicht nur seine Ehre, sondern verweigert auch den Respekt, einen der höchsten Werte in der malischen Gesellschaft“ (ein Zusammenhang, den ich auch von Malinowski aus seinen Studien über die tobriandische Gesellschaft kenne).

Noemi Steuer, die die beteiligten Personen kennt, erklärt zu dem konkreten Vorfall:
Niemand weiss das besser als Haby und Seydou. Solch einen Vorwurf öffentlich zu inszenieren, zerstört Namen und Ehre, unabhängig davon, ob er gerechtfertigt ist oder nicht: der Respekt vor dieser Person ist öffentlich zerstört, „gaté“, verdorben.

Und sie schliesst wörtlich: „Das ist ein Kriegsakt“

Hervorhebung durch mich, da sich jeder weitere Kommentar erübrigt.

Christof Wackernagel, Bamako, den 28.1.2010

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