Abdul Karim Jattara

Abdul Karim Jattara

ist Musiker. Er spielt die Ngoni, ein dreisaitiges Instrument, dem er, über einen Moscheeenlautsprecher verstärkt (entspricht etwa den »Flüstertüten« auf den Demos früher), Töne entlockt, die an Jimi Hendrix in seinen wildesten Ekstasen erinnern, wobei er selbst dabei freilich völlig unbewegt bleibt:

Er stammt aus Timbuktu, lebt aber seit langem mit seiner Familie in Bamako. Mit seiner hochartifiziellen, aber doch sehr extravaganten – oder eben auf das Tuareg-Publikum beschränkten – Musik verdient er zwar ab und zu bei Hochzeiten oder Festivals etwas Geld, aber nicht genug, um davon zu leben; es gibt nicht einmal in Mali Kassetten oder CD’s von dieser Art Musik.

Deshalb verdient er den Grossteil seines Lebensunterhaltes mit Lederarbeiten im Tuareg-Stil:

Schmuckkästchen wie rechts im Bild zu sehen oder gar ganze Tische.

Aber auch (Akten-)Taschen, Dokumentenmappen, Geldbeutel, Schlüsselanhänger oder Gürtel – alles mit den traditionellen Zeichen der Tuareg verziert.

Bis auf den Schlüsselanhänger sind diese Dinge bereits Auftragsarbeiten nach meinen Vorgaben.

Immer wieder schleppt er Sachen an, denen man nicht widerstehen kann:

Links mein fahrbares Stehpult – nichts, was sich irgendwie mit Kamel-oder Schafsleder überziehen lässt, ist sicher vor ihm.

Und da Abdul Karim Jattara nicht nur ein ausgezeichneter Musiker ist, sondern auch ein genauso guter Arbeitsbeschaffer, krittelte er solange an meinem selbstgebauten fahrbaren Tischchen herum – bei gleichzeitiger Erwähnung, dass er acht Kinder zu ernähren habe und mit der Musik nichts zu holen sei, aber völliger Taubheit gegenüber der Frage, wieso er denn soviele Kinder in die Welt gesetzt habe – bis ich mich breitschlagen liess, diesen Tisch mit Leder überziehen und verzieren zu lassen.

Da er dieses dann bei mir Zuhause machte, konnte ich den Arbeitsprozess verfolgen und mit seiner wolhwollenden Zustimmung dokumentieren.

Bevor das Leder auf das Holz aufgeklebt wird, muss es befeuchtet und aufgeraut werden:

Dann wird es auf das Holz aufgeklebt, das teilweise mit Karton unterlegt ist,

um die Prägungen tiefer einkerben zu können und Muster vorzugeben, und eingeölt.

Danach beginnt die Prägung:

Und das sind die Werkzeuge, die Prägestempel:

Am Schluss wird alles noch poliert

Manchmal kommt sein Sohn mit, der bei der Musik auf der Kalebasse trommelt, aber auch das Ledern lernt:

Zum Schluss noch ein Detail des fertigen Tischs mit Glasplatte:

Für einen Hunderter (Euro) Freundschaftspreis.

Etwa eine Woche lang immer wieder vom anderen Ende Bamakos angereist.

Saubere Arbeit!

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