Naturheilkunde afrikanisch.

Naturheilkunde afrikanisch.

Wenn die Jahreszeiten wechseln erwischt es einen auch in Afrika: Fieber, Halsweh, Husten.

Die Symptome sind überall gleich – die Behandlung verschieden.

In Deutschland nehme ich Meditonsin gegen das Fieber, schlucke ASS 500 gegen die Halsschmerzen und Aspekton gegen den Husten.

Nun hatte ich das hier nicht zur Hand – was tun?

»Kein Problem«, sagt Hawa, eine Freundin aus dem Dogonland, »Du füllst ein Glas Wasser halb voll, steckst umgekehrt einen Holz- Kochlöffel hinein, ziehst ihn langsam heraus und hältst ihn über Deinen geöffneten Mund, bis ein Tropfen in diesen fällt; das machst Du dreimal hintereinander, und diesen Akt morgens mittags und abends – und deine Halsschmerzen sind weg«.

Wie gesagt: ein Glas Wasser – nicht einmal irgendwelche Streukügelchen.

»Wers glaubt wird selig – wers nicht glaubt kommt auch in den Himmel«, sagten wir früher, aber auch Madou bestätigt: »haben wir als Kinder immer bei Halsschmerzen bekommen – die Mädchen beziehungsweise Frauen vier Tropfen – was soll man denn machen, wenn man sonst nichts hat?«

Eine gute Frage!

Wieso also nicht ausprobieren, bevor man gar nichts macht. Im Krankenhaus verschreiben sie nur Antibiotika, völlig überdimensoniert und unverschämt teuer.

Ich mache es also in Anwesenheit von Hawa – und die Halsschmerzen gehen im selben Moment weg, verschwinden nach einer halben Stunde ganz, ich denk, ich spinne.

Nachts kommen die Halsschmerzen wieder – also doch alles nur Schalmei.

Morgens will ichs aber wissen: Und wieder gehen die Halsschmerzen unmittelbar weg.

Mittags ist das Fieber von 37,8 auch 36,8 gesunken.

Ich glaubs zwar nicht, weil das ja alles auch daran liegen kann, dass die Krankheit nicht so stark ist, mache aber weiter.

Die Halsschmerzen, also das, was an diesen blöden Erkältungen mein Lebtag lang drei Tage lang immer am meisten nervte, die Schluckbeschwerden, vor allem  beim Essen – sind weg und bleiben weg.

Wie gesagt: Wasser – es kann also nur Selbstsuggestion sein, aber die wirkt bekanntermassen am besten.

Oder es ist die zurückgebeugte Kopfhaltung, was weiss ich, es ist mir auch egal, Hauptsache die Halsschmerzen und das Fieber sind weg.

Aber der Husten bleibt – das gilt nur gegen Halsschmerzen und Fieber.

Madous Bruder kommt zu Besuch und bringt vom Onkel, dem Fetischeur des Dorfes, einem vorislamischen Urtypen, gesammelte Kräuter und Hölzer mit, plus ein auf dem dortigen Markt gekauftes Säckchen mit Pulver

Vorne die Hölzer zum Kauen, links dahinter die Pulvermedizin, dreimal am Tag einen Teelöffel, schmeckt bittersauer. Dahinter die Blätter, die mit weiteren Hölzern gekocht werden müssen. Mitte links hinten in der Dose, vier verschiedene Blätter, die erst noch getrocknet und mit Salz im Mörser zu Pulver verarbeitet werden müssen. Schmeckt wie Öko-Kräutersalz vom feinsten.

Zum Kochen der Medizin musste auch noch ein  eigener, spezieller Kochtopf gekauft werden:

Jeweils ein solches Bündel (rechts) wird mit den Hölzern und einer Zitrone auf Holzkohle erhitzt, bis es kocht – dreimal, immer abends.

Ich baute alles auf –

Aber Madou war nicht einverstanden:

Der Topf musste in der Mitte vor der Tür zu meinem Zimmer stehen – wenns so sein muss, warum nicht. Und wenns der Gesundheitsfindung dient – gerne.

Die schwangere Hündin legt sich auch gerne in die Mitte, irgendwas muss also dran sein:

Und so siehts aus, wenns kocht:

Das Ergebnis schmeckt echt lecker!

Der üble Reizhusten und der ständige Auswurf liessen sofort nach, der Husten insgesamt im Lauf von zwei bis drei Wochen.

Als ich damit durch war fehlte mir der leckere Guten Abendtee – angesichts der vielen Arbeit, die mir mit seiner Zubereitung erspart blieb, war das allerdings zu verschmerzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.