Fragen an Dr. Querfurt:

Fragen an Dr. Querfurt:

  • „Wir zahlen die Steuern der Reichen  in den Drittweltländern“: Wie stehen Sie dazu? Wollen Sie keine Diskussion darüber?
  • “Wir kleistern die krassesten Wunden, die dieser asoziale Steinzeitkapitalismus hier schlägt, mit unserer Hilfe zu. Und „wir“ heisst eben nicht nur die Entwicklungshilfe, sondern vor allem auch die ONGs und privaten Initiativen, sie sich viel genauer als die staatlichen Organisationen darum kümmern, wo es wirklich am meisten brennt.” – Wie stehen Sie dazu? Wollen Sie wirklich keine Diskussion darüber?
  • “Die ONGs zementieren und perpetuieren das korrupte, verrottete Bereicherungssystem, an dem Afrika krankt. Sie sind die Engel der Reichen im Namen der Armen, die ihnen erlauben, alles beim Alten zu lassen”: Hat Dr. Seydou Segoule kostenlos ein Ultraschallgerät zur Verfügung gestellt bekommen? Wenn ja – wie stehen Sie zu der Kritik, dass er es selbst hätte bezahlen können?
  • Hat die Klinik in Kutialla – in der Nähe der „Frau mit den gynäkologischen Problemen“, die Ihnen vorgestellt wurde; von einer schwangeren steht nirgends etwas, wieso behaupten Sie das? -, ein Ultraschallgerät bekommen? Wenn nicht, stimmt es, dass der Grund dafür angebliche „Unzuverlässigkeit“ war? Hat Dr. Seydou das behauptet? Worin bestand sie?
  • Wenn Frau Dembele die Geburtsbedingungen in Mali so unerträglich findet, dass sie ihre Tochter zu diesem Zweck in die USA ausfliegt – warum ändert sie dann nichts daran? Warum fühlen Sie sich dafür verantwortlich, anstatt Frau Dembele dazu aufzufordern?
  • Wenn die Schule in Dijgue ausbauförderungswürdig ist – wieso übernimmt das nicht die der wohlhabenden malischen Oberschicht angehördende Familie der Dembele oder der malische Staat, was zu fordern selbst die „deutsche Entwicklungshilfe“, mit der Sie angeben zusammenzuarbeiten, zu ihrem Prinzip gemacht hat und was auch Mandela mit seiner Forderung meint?
  • Ist die Behauptung von Frau Dembele richtig, dass APA Deutschland einen von APA Mali, ausgeführt von Herrn Dialla Diallo, gemachten Kostenvoranschlag für den Ausbau der Schule in Dijgue in Höhe von 69 Millionen Fcfa fördern will, was über 100 000 Euro sind, damit den Mindestanforderungen des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit entspricht?
  • Strom und Trinkwasser aus der Leitung sind die elementarsten Überlebensmittel hier in Afrika. Ich selbst lebe in einem Viertel, in dem oft tagelang der Strom ausfällt (und dann nützen einem selbst Privilegien wie Computer und Kühlschrank nichts mehr) und in einem Haus ohne Leitungswasser; ich sehe täglich die Frauen und Kinder Wasser schleppen, und die jungen Männer mit Leiterwägen, die Trinkwasser ins Haus verkaufen, ich kenne durch die Wasserschlepperei der schwangeren Frauen behinderte Kinder. Ich kenne die wirklichen Verhältnisse hier besser als jeder andere Weisse. Stimmen Sie mit mir überein, dass wenn man den „Ärmsten“ helfen will, man vor allem denen helfen sollte, die kein Strom und Trinkwasser haben?
  • Lassen Sie deshalb RA Eisel behaupten, es gebe in Dijgue keinen Strom und kein Leitungswasser, obwohl das Gegenteil der Fall ist, es sogar Solaranlagen dort gibt, die Sie mit eigenen Augen gesehen haben, wie der Sie gefahren habende Taxifahrer Sacko Ishaka bestätigt? Wieso setzen Sie den Begriff „Heimatdorf“ von Frau Dembele in Anführungszeichen als sei Dijgue das nicht, obwohl das der Grund für die Auswahl dieses Dorfes ist, wie Frau Dembele ausdrücklich gefordert hatte?
  • In Welenguena gibt es weder Strom noch Wasser, die Menschen dort sind so arm, dass viele sich nicht einmal Schuhe kaufen können – ein Besuch dort, ohne Sandalen mitzubringen, ist unmöglich, aber von den Ihnen Frau Dembele geschickten 47 Kleidersäcken haben diese Menschen keinen Fetzen gesehen  -: damit haben Sie in Deutschland Hochglanzreklame gemacht, die Menschen dort aber mit Toiletten für 500 Euro und ein paar Schulheften und Schulbänken abgespeist, wobei Sie und Ihre beautragten Haby Dembele und Dr. Seydou Segoule die Menschenwürde der Menschen aus Welenguena derart mit Füssen getreten haben, dass die Bewohner von Welenguena – die ihnen zu Ehren ein Dankesfest mit Ballaphonmusik veranstaltet haben, nach dem Sie ins Hotel gegangen sind, anstatt diese Menschen näher kennen zu lernen – heute noch davon reden, dass sie die ihnen angetane Demütigung nie und nimmer vergessen werden. Können Sie wirklich mit solch einem Vorwurf der in ihrem eigenen Sinne – „die Ärmsten“ – zentral Betroffenen leben?
  • Müssen Sie mir nicht im Gegenteil zustimmen, wenn ich sage, dass Welenguena derart abzufertigen, Dijgue aber einem 100 000 Euro schweren Projekt zu bedenken, das konkrete Beispiel par excellence für meine generelle Kritik an der sogenannten Entwicklungshilfe im allgemeinen und Ihrer Arbeit von APA Deutschland und APA Mali im besonderen ist: die Reichen werden reicher und die Armen werden ärmer?

Christof Wackernagel, Bamako, den 12-1-2010

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